Jahres. Anschaulich nicht nur in den unmittelbaren Schilderungen, deren Schreib-weise mit allen grammatikalischen und orthographischen Fehlern beibehalten wur-de, um sie nicht ihrer Natürlichkeit und Spontaneität zu berauben, sondern auchdurch die vielen Zeichnungen und Bilder, mit denen der überaus talentierte JohannRitter schon früh die Aufmerksamkeit von Zeitgenossen und Förderern erregte,welche ihm sogar in den arbeitsfreien Wintermonaten ein weiterführendes Kunst-studium in Deutschland ermöglichten.
In anekdotenhafter Form schildert Johann Ritter seine Arbeit, sein Leben, ohneSentimentalität, ohne Selbstmitleid, und genauso einfach und natürlich berichtetauch Maria Gremel. Aus einem Seminar am Institut für Wirtschafts- und Sozial-geschichte der Universität Wien zum Thema„ Wandel des Familien- und Alltags-lebens im ländlichen Raum“ unter der Leitung von Professor Mitterauer hervor-gegangen das Manuskript der Lebenserinnerungen Maria Gremels wurde voneinem Absolventen des Instituts und Verwandten der Frau eingebracht-, lieferndie Aufzeichnungen ein eindringliches Bild einer Kindheit auf dem Lande zu Anfangunseres Jahrhunderts.
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Der Bogen reicht von den ärmlichen, bescheidenen Wohnverhältnissen, überSchule und Spiel, über den Dienst bei wohlhabenden Bauern, den das kleine Mäd-chen schon frühzeitig antreten mußte, und die Kriegsjahre 1914 bis 1918 bis zurGründung einer eigenen Familie. Wie auch Johann Ritter beschreibt Maria Gremeleine Kindheit, die weit entfernt ist von der Unbeschwertheit heutiger Jugend unddie dennoch nicht ohne Freuden und Heiterkeit war. Kein ländliches Idyll wird ge-zeigt, aber auch keine„ Romantik des Elends" vorgeführt. Die Lebenserinnerungendieser beiden einfachen Menschen spiegeln trotz aller subjektiven Erlebnisse undBetrachtungen doch eine solche Objektivität wider, wie sie manchem Wissen-schafter zu wünschen wäre.
Interessant ist auch, wie weit sich die Wirtschafts- und Sozialgeschichte immerwieder und immer mehr volkskundlicher Themenbereiche annimmt, wobei sicherist, daß eine exakte Abgrenzung gerade zwischen diesen Fächern unmöglicherscheint und wohl auch eher in der Art der Fragestellung und Methodik als in derThemenwahl zu finden ist. Dennoch bleiben diese Überschneidungen im Hinblickauf die Behauptung der Volkskunde als eigenständige Wissenschaft sicher nicht un-bedenklich.
Abschließend muß man aber Johann Ritters„ Zeitbuch" und Maria Gremels ,, Mitneun Jahren im Dienst" in die Reihe wichtiger Beiträge zur Alltagsgeschichte einrei-hen und als eine ergiebige Quelle zur Volkskunde Niederösterreichs um die Jahrhun-dertwende betrachten.
Eva Kausel
Cornelia Rühlig und Jürgen Steen( Bearbeiter), Walter,* 1926, † 1945, an derOstfront. Leben und Lebensbedingungen eines FrankfurterJungen im III. Reich. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des Histori-schen Museums(= Kleine Schriften des Historischen Museums, Bd. 20). Frank-furt am Main 1983, 149 Seiten, zahlreiche Abbildungen.
Im Zusammenhang mit dem Ausstellungs- und Forschungsprojekt„ Jugend imIII. Reich am Beispiel Frankfurts am Main" gelangte das Historische Museum
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