heiten gibt es unterwegs, manchen Sterbefall, dabei mitunter Bestattungsschwierig-keiten wegen„ lutherischer Konfession“, wobei sich nur die Raitzen, das sind dieorthodoxen Serben sozusagen ökumenisch- tolerant zeigen.
Freuen sich über die vielen- und ausführlichen!- Stadtbeschreibungen die Süd-ost- Historiker und die Geographen wie die Balkanphilologie, da viele türkische,griechische, madjarische, serbische Ort-, Personen-, Standes- und Rangnamen wieSachbezeichnungen aufscheinen, so sind für die Volkskunde besonders reizvoll dieBerichte über Aufenthalte, Empfänge, Audienzen, Ausritte,„ Unterhaltungen" vie-ler Art. Enthalten sind Nachrichten über„, Knabenlese"-türk. Kopfsteuer gegen diechristlichen Untertanen( raja), die Schandstrafe des Eselreitens für eine Dirne, dieBestrafung der Marktbetrüger, der Sodomie- Vorwurf gegen die Türken. Auch ihreKaffeehäuser werden( 1622!) beschrieben: Obgemelte cafuannen sind häuser inwelchen schwartz Wasser gesotten; vnd von Türcken vnd andern täglich warm ge-trüncken würd, so dem Magen vnnd sonsten sehr dienlich, sitzen gemeiniglich einhalben Tag darbey, spielem im Schach vnd Pret( darinnen sie trefflich erfahren) abervmb kein Gelt, sondern wer für den andern die Zech zahlet: eben an solchen ortenfinden sich auch Personen, welche vnter dessen von jhrer Käyser vnnd andere Vor-fahrer begangenen thaten auch Historien offentlich lesen, welche hernacher deẞwe-gen von den vmbsitzenden Zuhörern etwas Geld bekommen.( 77 f.). Des weite-ren Aufzüge der Handwerker, Ausritte der türkischen Würdenträger zu Moscheebe-such und Jagdvergnügen usw. Den Abschluß der unterhaltsamen Berichte bildet einVerzeichnuẞ der mitgeführten Käyserlichen Presenten für den Sultan, für seine( Haupt-) Frau, für die verschiedenen höchsten Hofbeamten, in der Mehrzahl kost-bare Uhren, Trinkgefäße, Vasen, Spiegel, Schreibtische usw., insgesamt für 55.070Gulden. Ein Reisetagebuch vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges und über sech-zig Jahre vor der letzten Türkenbelagerung Wiens. Eine Quelle für Kulturgeschichteund Volkskunde zumal Südosteuropas.
Leopold Kretzenbacher
Johann Ritter, Mein Zeitbuch der Kindheit. Neu hrsg. und eingeleitet vonHelene Grünn(= Niederösterreichische Volkskunde, Bd. 15). Wien, Verlag desNiederösterreichischen Heimatwerkes, 1983. 112 Seiten, 58 Abbildungen.
Maria Gremel, Mit neun Jahren im Dienst. Mein Leben im Stübl und amBauernhof 1900-1930. Mit einem Vorwort von Michael Mitterauer. Wien-Köln Graz, Böhlau 19832. 309 Seiten.
Zeitlich beinahe aneinander anschließend geben diese beiden Bücher Zeugnis vonder Welt, vom Alltagsleben bäuerlicher Kinder Ende des 19. und Anfang des20. Jahrhunderts in der„, Buckligen Welt", der Gegend um Kirchschlag.
Helene Grünns Verdienst ist die liebevoll ausgestattete Neuherausgabe vonJohann Ritters„ Zeitbuch der Kindheit“, das bereits 1937 als Sondernummer derZeitschrift., Unsere Heimat" des Vereins für Landeskunde und Heimatschutz vonNiederösterreich und Wien erschienen ist. Mit einer ausführlichen Einleitung zumLeben und Werk des vielseitig begabten Bauern, Malers und Dichters Johann Ritterversehen, gibt der vorliegende Band ein anschauliches Bild vom Leben einesBauernbuben, geboren 1868, dem jüngsten von neun Geschwistern, von seinerSchulzeit, seiner Arbeit als Viehhüter, von Brauch und Alltag im Ablauf des
155