Literatur der Volkskunde
Rolf Wilhelm Brednich( Hrsg.), Tagungsprotokoll der 11. Arbeitstagung über Pro-bleme der europäischen Volksballade vom 22. bis 24. August 1980 in Ioannina/Griechenland. Veranstaltet von der Kommission für Volksdichtung der SociétéInternationale d'Ethnologie et de Folklore( SIEF). Ioannina 1981. 238 Seiten.Der vorliegende Band enthält 13 Vorträge und einen Diskussionsbeitrag des vonder Kommission für Volksdichtung der Société Internationale d'Ethnologie et deFolklore( SIEF) in Ioannina, nahe der albanischen Grenze abgehaltenen Sympo-sions zu den Themenkreisen„ Die Balladenüberlieferung im Südosten Europas",„ Die Funktion von Balladen in Brauch und Arbeitsleben“ und„ Fragen der regiona-len europäischen Balladenkataloge“.
Stephanos D. Imellos( Athen) zeigt in seinem Referat ,, Griechische Balladen" dieSchwierigkeit der Zuordnung und Unterscheidung von anderen Gattungen des er-zählenden Volksliedes auf. Demetrios Loukatos( Athen) geht in„ La Ballade, maritime' en Grèce“( Die„ maritime" Ballade in Griechenland) auf zehn verschie-dene Motive näher ein und bringt neben einer Inhaltsangabe und Querverweisen zu,, kontinentalen“ Varianten Hinweise zu Verbreitung und jeweiligem Anlaẞ, bei demdie Ballade auch heute noch gesungen wird. Walter Puchner( Wien) greift ein Themawieder auf, das schon in der Festschrift für Felix Karlinger( Raabser MärchenreiheNr. 4) angesprochen wurde:„ Die griechische Spätrenaissancetragödie, Erophile' inder kretischen Balladentradtion", und zwar die Übernahme der um 1600 entstande-nen Verstragödie ,, Erophile" bzw. verschiedener Passagen und Handlungselementein die kretische Volksballadendichtung. Nach Erläuterungen zur Verbreitungs-geschichte der„ Erophile“ und einer dramaturgischen Analyse vergleicht WalterPuchner die in sieben kretische Balladen aufgenommenen Bruchstücke und Vers-passagen und liefert dazu im Anhang an seinen Aufsatz zehn Übersichtstabellen und-kurven, die seinen überaus methodischen und klar gegliederten Text eindrucksvollunterstützen. Der folgende Beitrag von Lubomira Parpulova( Sofia) beschäftigt sichmit Problemen der Balladenforschung in Bulgarien.
Das Kapitel II„ Die Funktion von Balladen in Brauch und Arbeitsleben“ beginntmit„ Form, Ideologie und Funktion der erzählenden Volkslieder des Salent unterBezugnahme auf das salentinische Griechenland“ von Giovanni Battista Bronzini( Bari), der, ausgehend von der These, daß jede literarische Produktion, auch dievolkstümliche, in Beziehung gesetzt werden muß zum historischen Geschichts-ablauf, zu Kultur- und Gesellschaftsstrukturen, sich mit einer bestimmten Region,
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