Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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Göttweiger Bestände ab dem endenden 17. Jahrhundert bis zum Anfang des19. Jahrhunderts den gewachsenen Zustand einer Sammlung von Kleinschriften,Dissertationen, Totenparten und Glückwunschadressen zeigt, während Wien seineSammlung als museale Musterblattsammlung angelegt hat zur Dokumentation undzur Anregung für Künstler. Diese vorübergehende Zusammenführung war beson-ders dadurch ergiebig, daß auch manch unbekannte Blätter identifiziert werdenkonnten.

Die Gattung Buntpapiere umfaßt in erster Linie Marmor- und Silhouetten-papiere, Bronzefirnis- und Brokatpapiere, Kattun- und Kleisterpapiere. Währenddas Marmorpapier eine altehrwürdige Technik aus dem Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient ist und für kostbareBücher Verwendung fand, sind die Herstellungszentren für Bronzefirnis- undBrokatpapier in erster Linie Augsburg, Nürnberg, Fürth und Aschaffenburg in denbedeutenden Werkstätten der Leopold, Munck, Stoy und Ledergerber. Marmor-papiere wurden zudem ab dem 18. Jahrhundert besonders in Frankreich mit hervor-ragendem Können hergestellt, Kattun- und Kleisterpapiere in Italien, Süddeutsch-land und Österreich mittels ausgedienten Stoffdruckmodeln und letztere besondersin der pietistischen Gemeinde von Herrenhut. Ihr Reichtum an Formen ist uner-schöpflich und reicht vom einfachen geometrischen Muster über floralen bis zumfigürlichen Bilderbogenblatt, in Gold und Silber auf farbigem Papiergrund gedruckt.Bevorzugte Verwendung fanden solch kostbare Bögen als Umschlag oder Vorsatzfür diverse Kleinschriften, wie sie sicher noch ungehoben in jeder größeren Stifts-und Klosterbibliothek in Menge vorhanden sein müßten. Auch Intarsienmöbelwurden damit ausgeschlagen, ebenso Minnekästchen usw. Mit dieser Ausstellungmöchte Göttweig bewußt eine Art Initialzündung zur Erforschung des Bestandes anBuntpapier in Österreich geben, zumal die Göttweiger Bestände häufig noch Künst-lersignatur, Herstellerort und Blattbogennummer am Papiersaum tragen. Die Wie-ner Bestände liefern vor allem herrliche Marmorpapiere der Wiener Werkstätte, ausder Kolo Moser, Hoffmann und C. O. Czeschka herausragen, bis hin zu Marie vonUchatius.

Der ausführliche Katalog von Hanna Egger und Gregor M. Lechner OSB mit über105 Farbabbildungsbeispielen gilt für beide Ausstellungen, denn ab 17. Jänner bis8. April 1985 wird dieselbe Ausstellung am Österreichischen Museum für ange-wandte Kunst in Wien am Stubenring gezeigt, um dann im Sommer nach Deutsch-land( Karlsruhe) weiterzuwandern.

Gregor M. Lechner OSB

Museumsdidaktik im Grazer Diözesanmuseum

Sommerausstellung: Bedrohte Kunst retten. Kirchliche Denkmalpflege." 8. Maibis 10. Oktober 1984. Diözesanmuseum, Graz, Mariahilfer Platz 3, neben derMariahilferkirche im ersten Stock des Minoritenklosters.

Seit 1981 ist das Diözesanmuseum in Graz wieder der Öffentlichkeit zugängig.Dr. Barbara Zingerle als Geschäftsführerin wählte als Präsentationsmodus desMuseums die jährliche Sonderausstellung während der Sommermonate und einekleine Daueraufstellung für die Wintermonate. Diese Präsentationsform erwies sichals besonders günstig, da das Diözesanmuseum eine nur kleine und sehr weit ge-streute Sammlung betreut, gleichzeitig aber für die Sonderausstellungen auf

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