Volkskundemuseum„ Melanie Wissor" als Abteilung des
Bezirksmuseums Mödling eröffnet
Das Volkskundemuseum in der Klostergasse 16, 2340 Mödling, ist eine bemer-kenswerte Dokumentation der Wohn-, Lebens- und Arbeitsgeschichte des Mödlin-ger Raumes. Die Bevölkerung dieses Landstriches, der noch den Rand des Gebirgesumschließt, zugleich aber in die große Ebene des Ostens hinausreicht, hat derRegion ihren Stempel aufgedrückt. Die Wechselbeziehung zwischen Wald-, Körndl-und Weinbauern, wohlhabenden Bürgern, Handwerkern, Industriearbeitern, Tag-löhnern, Köhlern und Hirten hat diesen Lebensraum am Rande des Wienerwaldesgeprägt.
Frau Direktor Melanie Wissor, die jetzt 87jährige Leiterin der Volkskundeabtei-lung, begann 1952 mit der Aufbauarbeit im Thonet- Schlößl und legte damit denGrundstein für das heutige Museum in der Klostergasse. Frau Dir. Wissor sah sichstets als„, Chronist der Gegenwart“. Unter diesem Gesichtspunkt wird verständlich,daß der vorhandene Platz im Stammhaus des Museums bald nicht mehr ausreichte.Und doch galt es auch, Vergangenes vor dem Vergessen zu bewahren. Denn dieEpoche der reichen Handarbeit und des Handwerks ging zu Ende. Angesichts derRaumnot im Thonet- Schlößl zeigte die Gemeinde Mödling Verständnis. Ein altesHauerhaus aus dem Spätmittelalter, noch rechtzeitig vor der Zerstörung bewahrt,bot sich zur Erweiterung des Museums an. Um dieses historische Gebäude in seinerGeschlossenheit der Nachwelt zu erhalten, schien es zweckmäßig, die Volkskunde-abteilung dorthin zu übersiedeln.
Für die Gemeinde Mödling bedeutet die stilgerechte Renovierung des alten Hau-ses zweifellos eine beträchtliche finanzielle Belastung. Dennoch war es eine klugeEntscheidung, die letztlich kommenden Generationen zugute kommen wird.
Die wissenschaftliche Arbeit für das neue Volkskundemuseum stammt vonMelanie Wissor. Doch das Lebenswerk dieser Frau, die sich mehr als 50 Jahrein den Dienst der Volkskunde gestellt hatte, hätte nicht so gut umgesetzt werdenkönnen, wäre nicht Prof. Karl Matzner als unermüdlicher Planer und Gestalterdem Museum zur Verfügung gestanden. Prof. Matzner war selbst noch zu einemZeitpunkt in der Klostergasse beim Aufbau der neuen Volkskunde" beschäftigt,als eine schwere Krankheit ihn bereits gezeichnet hatte. Die Fertigstellung der Ab-teilung erlebte der stille, bescheidene Mann nicht mehr. Nur wenige Wochen vor derEröffnung schloß er für immer die Augen.
Raumeinteilung im Volkskundemuseum: Das„ Waldland" und das„ Ackerland"mit schweren Geräten der Landwirtschaft, des Fuhrwesens und der Wald- und Forst-wirtschaft sowie der Jagd wurde in zwei Räumen im Erdgeschoß untergebracht. Da-zu kamen Trachten und viele kleinere Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedar-fes. Fuhrwerke, Schlitten und größere landwirtschaftliche Maschinen mußten imFreien aufgestellt werden. Behandelte Themen in diesem Bereich:„ Entwicklung desAckerbaues“,„ Von allerlei Fuhrwerken und Gefährten“,„ Verkehrswege in Möd-ling". Ebenfalls im Erdgeschoß untergebracht wurde das„, Weinland“. Dabei solltennicht, wie gern praktiziert, einfach Weinfässer aufgestellt werden. Dem Chronistenging es vielmehr darum, alle mit dem Weinbau verbundenen Geräte zu zeigen. Dazukamen Wandtafeln mit der Weinbaugeschichte, Landkarten, Urkunden, Dokumen-te, illustrierte Sprüche und Sagen. Ein Prunkstück der Weinbauabteilung ist einRiesenfaẞ mit dem geschnitzten Motiv des Mödlinger Rathauses, weiters eine
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