unzähligen Bedeutungsschattierungen behandelt; man fragt sich fast beängstigt, wie-viel hier die volkskundliche Sachforschung noch Nachholarbeit zu leisten hat. Stich-wörter, wie ,,( Ge) purt“,„ Pusch“,„, Püschel" oder„ Puschen“ bieten zum Teil umfas-sendes Material wie z. B. die für den Lostag„ Maria Geburt"( 8. September, KleinerFrauentag) üblichen Wetter- und Bauernregeln( Sp. 1475) oder zum„, Palmbuschen“( Sp. 1494 ff.), zum„ Weihpuschen“( Sp. 1506),„ Sonnwendpuschen"( Sp. 1506 f.)und ,, Wetterpuschen"( Sp. 1507), denen richtige kleine Monographien mit Belegma-terial aus ganz Österreich gewidmet sind. Als Hausforscher läßt man sich gerne be-lehren über die wichtigen und so schwierigen populären Bezeichnungen für gewisseOberräume der Scheune wie„ Püne“( Sp. 1391–1395) oder„ Pürl"( Sp. 1444–1447).Nur noch die Mundartforschung vermag uns Belege über das einst viel verbreitetereStrohdach im Hausbau zu liefern: etwa mit„ buntsn“= Strohschaub zum Dachdek-ken in Tamsweg( Lungau)( Sp. 1420) oder mit dem Wort„ Puschker" für gereinigtesLangstroh zum Dachdecken, Schaubstroh am Innichberg im Hochpustertal, wo wirtatsächlich noch um 1960 etwa zwischen Pfalzen und Terenten Futterhäuser mit stei-len Strohdächern aus dem frühen 17. Jahrhundert haben aufmessen können. Und imniederösterreichischen Frankenfels heißt das Dachgerüst mit Scherenjochen„ ,, Schär-pund", ein sehr schöner, treffender Zimmermannsausdruck( Sp. 1386), währendman bei Suben am Inn die First- und Mittelpfette vermutlich desselben Scherenjoch-daches ,, das bindl“ nennt, wie anders also als etwa bei den Kärntner Slowenen, wodieser mächtige Firstbalken„ te bog"(= der Gott) oder auch wegen seiner Schwereetwas pejorativ„ te bači“( Saubär) genannt wird. Ähnliches wäre zu Tracht und Klei-dung und vor allem zu den Speisenbezeichnungen zu vermerken. Schließlich sei nichtübersehen, daß auch historische Wörter, wie„ Purat“,„ Purpian“,„ Pusikan" oder,, Putschändlein“,„ Pumhart" usf., im WBO aufgenommen und nach den letzten Er-kenntnissen der Wortforschung erklärt sind. Kurz, für uns ein ausgezeichnetes undvortreffliches Auskunftslexikon, das kaum Wünsche offenläßt.
Einige wenige ergänzende Hinweise vielleicht oder Fragen seien abschließend an-gemeldet: Zu dem Schallwort, pum“ sei an das besonders verbreitete Kindersprüchl„ Weber pum- pum“ erinnert, das dem bezeichneten Geräusch sehr nahe kommt.Unter den Kompositen von„ Pumpe“ vermißt jeder Autofahrer die„ Ölpumpe“.Zu„ Pumper I"= bauchiges, dickes, rundes Ding, Kürbis usf. gehört vermutlich eherdas in Oberkärnten häufige„ Jauchen- pumper" bei dem Stichwort„ Pumpe"; ebensofehlt mir das für die Südweststeiermark typische„ Schissa- pumpa" ebenda.- Die„ Pürl“ des Kärntner Ringhofes ist immer ein äußerer, traufseitiger Trockengangbeim„ Blochstadl“ und insofern nicht mit„ niveaugleichen Seitenabteilen" der alpi-nen Hochscheune gleichzustellen( Sp. 1445). Meines Wissens gilt„ Pürste" in Süd-
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tirol auch für die Strauchegge?- und„ pürsten" gilt auch als Synonym für„ viel trin-ken, saufen“, zumindest in Innerösterreich. Vielleicht hängt dies mit der Bedeutung1 d oder 1 e im Sinne von„, schlichten" nach der Webersprache zusammen.
Oskar Moser
Otto Jungmair- Albrecht Etz, Wörterbuch zur oberösterreichischenVolksmundart, hrsg. v. Stelzhamerbund d. Freunde oberösterreichischerMundartdichtung(„ Aus dá Hoamat“, 33. Band), 3. unveränd. Auflage, Linz1983. 349 Seiten, 1 Porträtbild.
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