Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich. Herausgegeben von der Kom-mission für Mundartkunde und Namenforschung der Österreichischen Akademieder Wissenschaften, 22. Lieferung( 8. Lieferung des 3. Bandes). Wien, Verlag derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften, 1983, Spalten 1345 bis 1622.Mit der vorliegenden 22. Lieferung des„ Wörterbuchs der bairischen Mundartenin Österreich“ ist der dritte Band( bestehend aus den in den Jahren 1977-1983 er-schienenen Lieferungen 15-22) abgeschlossen. Damit liegen die Buchstaben A bisC vollständig bearbeitet vor. Nicht zuletzt aus der Sicht unseres Faches wird man daszügige Erscheinen und den Fortschritt des großen Werkes dankbar begrüßen und,wie dies schon Leopold Schmidt mehrfach getan hat, auf den vielfachen Nutzenund die willkommenen Hilfen für die Volkskunde mit Nachdruck hinweisen, die hierangeboten werden.
Das WBÖ, wie es sich selbst abgekürzt nennt, ist in seinen einzelnen Wortartikelndurch einen besonders umfassenden Informationswert ausgezeichnet. Es geht darinüber die grundlegenden und natürlich sehr wichtigen philologischen und sprachwis-senschaftlichen Angaben lexikalischer Art weit hinaus und bietet damit für jedes ein-zelne Lexem sowohl zu den oft sehr schwierigen etymologischen, semasiologischenund dialektologischen Problemen Angaben wie auch kulturgeschichtliche und vor al-lem volkskundliche Hinweise und Belege, die jeder, der überhaupt eine Beziehungzum Sprachleben um uns herum hat, mit dankbarer Genugtuung registrieren wird.Bei vielen Wortartikeln führt das oft bis zu Sprichwort und Redensart und zu Sach-und Brauchbeschreibungen und läßt vor allem regionale oder österreichische Spezi-fika nicht übersehen.
Die vorliegende 22. Lieferung ist dafür ein besonders gelungenes Beispiel. Sie um-faßt die Lemmata„ Pulína"= Langsemmel( OÖ.) bis„ Cytisus"= Kopf- Geiẞkleeund bietet eine ganze Reihe von volkskundlich äußerst wichtigen Stichwörtern, diedurchwegs mit großer Akribie und Sorgfalt behandelt sind. Hier wird man vor allemauch den Mitarbeitern des WBÖ als den Bearbeitern der einzelnen Artikel beson-ders dankbar sein müssen. Das dargebotene Sammel- und Quellenmaterial ist ja wiekaum sonst irgendwo umfassend und schließt ebenso mittelalterliche historischeTextstellen( Jans Enikel, Oswald v. Wolkenstein, Jakob Unrest, Maximilian I.u. v. a.), Urkundentexte und Archivalisches mit ein, während andererseits Tages-zeitungen mit Zitaten aus der Moderne und eine breite Dialekt- und Regionallitera-tur eingearbeitet sind. Erfreulich ist, daß auch die volkskundliche Fachliteratur her-angezogen erscheint, und zwar bis herauf zu den jüngsten Veröffentlichungen.
Es wäre sehr verlockend, auf die zahlreichen für die Volkskunde Österreichs be-deutsamen Wortartikel einzugehen. Sie betreffen allein in dieser Lieferung fast diegesamte Volkskunde von den Realien angefangen bis zum Volksglauben und zurVolksmedizin. Besonders hervorzuheben sind vielleicht die umfangreichen Stich-wörter„, Pund",„ Pündel“,„ Pünkel“,„ Pürste“,„ Pusch( en)",„ Putter“ und„, putzen"wegen ihres unglaublich vielfältigen und vielseitigen Bedeutungsinhaltes: Man weiß,was bei uns ein„ Tragpünkel" ist, gewiß; aber was ist wohl gemeint mit„, Pfingstpün-kel“,„ Ängernpünkel“,„ Luderpünkel“ oder„ Nachtpünkel“? Oder mit„ ,, Harpur-de“,„ Hutpurde“,„ Ortpurde“,„ Schneidpurde“,„ Weihpurde“ und so fort.
Allein in der vorliegenden 22. Lieferung des WBO werden 19 verschiedene Be-zeichnungen unserer Dialekte für Gefäße, vorwiegend Holzgefäße, von„, Putsch¨und„ Pundel" über„ Putte“ und„ Pütterich" bis zu„ Püttling I“ belegt und in ihren
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