Karl Eugen Fürst, Das Oberuferer Schuster- und Schneiderspiel. Für-stenfeldbruck, Eigenverlag, 1982, 18 Seiten, Notenbeispiele.
Karl Eugen Fürst, Sohn des Karl Fürst, des letzten Spielleitergehilfen von Ober-ufer, bemüht sich schon lange, die alten Volksschauspiele des Heidebodens vor demVergessen zu bewahren. Nachdem er bereits„ Oberufer und andere süddeutscheWeihnachtsspiele des 16. und 17. Jahrhunderts, deren Spielbezirke, Darstellungs-weise und Kostümierung"( 1981),„ Das Oberuferer Christigeburtspiel. Originalauf-zeichnung einer Inszenierung aus dem Jahre 1926"( o. J.) und„ Das OberufererParadeisspiel. Originalaufzeichnung einer Inszenierung aus dem Jahre 1926“( o. J.)im Selbstverlag herausgegeben hat( vgl. Klaus Beitl u. a., Volksschauspiel im Bur-genland. Katalog der Sonderausstellung des Instituts für Gegenwartsvolkskunde ge-meinsam mit dem Österreichischen Museum für Volkskunde. Mattersburg 1982),legt er nun mit dem Oberuferer Schuster- und Schneiderspiel ein weiteres traditio-nelles Schauspiel des Burgenlandes vor. Basierend auf dem persönlichen Erlebniseiner Aufführung mit dem Lehrmeister Michael Wendelin und seinem eigenen Vaterim Jahre 1926, ergänzt es die Veröffentlichung des Textes durch Karl Benyovszky,der bereits 1934 herausgegeben wurde. Im Anhang ist noch Schröers ,, Spielanwei-sung“( 1858-1862) als Faksimile abgedruckt.
Das Schuster- und Schneiderspiel folgte in manchen Orten des Heidebodens aufdas Christigeburtspiel, und die älteste Aufzeichnung stammt aus Ragendorf im Jahre1773. Bei diesen Nachspielen, wie sie vor allem aus den Alpenländern bekannt sind,handelt es sich meist um kleine Szenen, deren Herkunft nur schwer erkundbar er-scheint. Gerade im Anschluß an Weihnachtsspiele waren in verschiedenen Regionenaber Lieder über Schuster oder Schneider als Rollenfiguren durchaus verbreitet. Einwichtiges Zeugnis dafür bietet das Streitgespräch zwischen Schuster und Schneiderim Anschluß an die Weihnachtsspiele im Böhmerwald. Derartige Nachspiele hattenoft einen stark lokal bezogenen Charakter und daher nur einen geringen Verbrei-tungskreis, so daß man auch vom Oberuferer Schuster- und Schneiderspiel sagenkann, daß es, obzwar lokal gebunden, doch auf einer weiter verbreiteten Schicht ein-schlägiger Lieder und Rollenfiguren beruhen mag.
Inhalt des vorliegenden Spieles ist die schwankhafte Geschichte von der schönenFrau des Schneiders, ihrer Liebschaft mit dem Schuster und vom betrogenen Ehe-mann, wobei alles aber versöhnlich endet. Das Stück ist in Versform gehalten, dieLiebesszenen zwischen Schuster und Schneiderin werden gesungen, sonst wird im,, Versus- Schritt" rezitiert.
Interessant ist noch Schröers Anmerkung zu den Darstellern: Es sei Brauch ,,, daẞder Hauptmann des Herodes die Schneiderin und Herodes selbst den Schuster spie-len muẞ; also die Verdammten, dem Teufel verfallenen Personen sind hier wiederdie Sündigen“.
Abschließend sei noch einmal auf das große persönliche Engagement Karl EugenFürsts hingewiesen, der keine Mühe scheut, die Oberuferer Spieltradition vor demVergessen zu bewahren.
Eva Kausel
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