Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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durchbohrt und ihr Widerlager in der Sterze findet". Sein Gerippe wird dabei ,, voneiner S- förmigen, sich bis zur Sohlenspitze fortsetzenden Sterze und einem Krümmelgebildet"( S. 188).

Auf der Grundlage seiner kartographischen Auswertungen des Atlasmateriales,der erhobenen Gerätebestände sowie verschiedener historischer Bildzeugnisse( Keramik, Glasfenster, Schützensilber), die bis zum Jahre 1630, wenn nicht sogar insspäte 16. Jahrhundert zurückführen, vermag Cox die Verbreitung des Hunspflugesum 1900 einer wesentlich älteren Schicht von eindeutigen Belegen dafür gegenüber-zustellen und damit die Besonderheiten dieses Typs rheinischer Pflüge auch dort her-auszuarbeiten, wo sie als späte Eisenpflüge und selbst als kontaminierte Formen"von drei- und vierseitigen Kehrpflügen und als ein Nebeneinander von Hunspflug"und Spitzpflug" auftreten. Cox sucht weiter die Bezeichnung, Wessel" für dieunterschiedlichen Scharformen des Hunspfluges gegenüber dem allgemeineren Na-men ,, Schar" abzugrenzen( s. Karte 4) und dies daraus zu erklären, daß ,, Schar und,, Wessel" eben zwei sehr verschiedene Dinge sind und daß Schar" vor allem mit denneuen Fabrikpflügen vorgedrungen ist( S. 228). Als Anhang I und II fügt Cox dan-kenswerterweise auch die historischen Beschreibungen von J. N. von SchwertzzurPflugarbeit aus den Jahren 1836 und 1817/18 an.

Zweifellos handelt es sich hier um einen neuen und gewichtigen Beitrag zur Pflug-forschung in der Bundesrepublik. H. L. Cox besticht darin durch sein wertvollesKartenmaterial und durch seine gerätemorphologischen Neuerkenntnisse, mehraber vielleicht noch durch seine grundsätzliche und kritische Exaktheit und Genauig-keit bis in die Literaturangaben hinein verratende Vorgangsweise. Was er ganz allge-mein zur, Unschärfe" von Fragebogenerhebungen, zur Notwendigkeit direkterObjektbetrachtung oder zur historischen Ikonographie seiner Pflüge sagt, wirdman sich in der vergleichenden, systematischen Pflugforschung allenthalben vormer-ken müssen. Schon diese bisherige Auswertung des ADV- Materials hat somit auchohne eigentliche Feldforschung, deren Heranziehung offenbar noch geplant ist, zueinem beachtenswerten und bleibenden Beitrag und zum Fortschritt in der Pflugfor-schung der Rheinlande geführt.

Oskar Moser

Gundl Holaubek- Lawatsch, Alte Volkskunst, Steirische Trachten. Graz-Stuttgart, Leopold- Stocker- Verlag, 1983. 174 Seiten, Farbtafeln. Zeichnungenvon Maria Mangge, Fotos von Ferdinand Neumüller.

Schon im Vorwort, von Sepp Walter verfaßt, wird die besondere Art des Steiri-schen Trachtenwesens beleuchtet. Hier ist Tracht immer lebendig geblieben unddurch die Persönlichkeit Viktor Gerambs, des Begründers der wissenschaftlichenVolkskunde an der Universität Graz, Schöpfers des Steirischen Volkskundemu-seums und des Heimatwerkes, als Ausdruck der angewandten Volkskunde, ist die inden Steirern vorhandene Neigung zur schlichten Steirertracht wieder bestärkt undneu belebt worden.

So wurden schon in den dreißiger Jahren zunächst noch bestehende Formen be-sonders herausgehoben, sozusagen Haupttrachten, gültig für das ganze Land, fest-gelegt. Es waren die Gegenden, in denen sich Erzherzog Johann am meisten aufge-halten hatte, in denen sich, von seinem Vorbild angeeifert, Tracht als selbstverständ-liche Kleidung gehalten hatte. Eine Wertmarke des Heimatwerkes und verschiedene

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