Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
Einzelbild herunterladen
 

schungszentrums und seiner Mitarbeiterin Polymeru- Kamilaki, eine würdigeNachfolge gefunden. Das Handbuch gibt einen Leitfaden für Themenstellungen undProblematiken der Materialkultur, wie sie in der Feldforschung auftauchen unddurch gezielte Befragungen einer Lösung zugeführt werden können. Da tradi-tioneller Hausbau und vorindustrielle Erntetechniken, Gerätschaften und traditio-nelle Nahrungszubereitung usw. auch in den ländlichen Gegenden immer seltenerwerden, ist ein derart geschärftes Sensorium des Feldforschers vonnöten, da diedünner werdende Belegdichte einen gründlicheren und umfassenderen Fragepro-zeẞ, das heißt notwendig auch mehr Vorwissen impliziert.

Der enorme Themenkomplex ist in neun Hauptkapitel gegliedert: 1. Wohnen( Dorf, Haus, Hilfsgebäude, Möbel, Geschirr); 2. Kleidung und Frisur( Kleider,Schuhe, Haare, Kosmetik); 3. Essen und Trinken; 4. Hirtenkultur; 5. Ackerbau( Feldbestellung, Olivenkultur, Weinbau, Tabak, Baumwolle, Forstarbeit,Gartenbau, Flachs, Harzgewinnung); 6. Fischfang und Schwammtauchen; 7. Jagd;8. Bienenzucht; 9. Technik, Beruf, Handarbeit( Schiffahrt, Müller, Tuchbereitung,Weberei, Strickerei, Stickerei, Seidenzucht, Färberei, Maultiertreiber, Herberge,Schlosserei, Glockengießer, Laternenmacher, Kupfer- und Zinnschmied,Schneiderei, Barbier, Schuster, Maurer, Steinmetz, Töpfer, Keramiker, Korb-flechter, Besenmacher, Seilflechter, Sattelmacher, Hufschmied, Messerschmied,Schleifer[ Scherenschleifer], Viehhändler, Schlächter, Gold- und Silberschmied,Wasserräder, Kalkmacher, Salzhändler, Wurstmacher, Köhler, Kutscher,Faẞbinder, Gerber, Pelzmacher, Kerzenzieher, Seifenmacher, Deckenmacher,Glaserer, Holzfäller, Tischler, Holzschnitzer, Eisenschmied, Ausrufer, Maler,Diener, Amme und andere Berufe).

Wie schon aus dieser einfachen Aufzählung hervorgeht, liegt ein gewisserSchwerpunkt auf den traditionellen Berufen( fast ein Drittel des Bandes). Besondersauf diesem Sektor, aber auch in anderen Themenbereichen wurde, wenn man dieKargheit der griechischen volkskundlichen Bibliographie, was die materielle Kulturangeht, in Betracht zieht, schiere Pionierarbeit geleistet( einigermaßen reichhaltigist die Bibliographie nur auf dem Sektor des traditionellen Hausbaues, der Feld-bestellung und des Hirtenlebens). Dies spiegelt sich auch in dem jedem Kapitelbeigegebenen Literaturverzeichnis, das sich bewußt nur auf das Wesentlichekonzentriert.

Was den Band allerdings, jenseits seiner Gebrauchsfunktion als methodischer undsystematischer Leitfaden, zu einer Überblick verschaffenden Dokumentation dergriechischen Materialkultur macht, ist der reichhaltige Bilderteil, der auch analyti-sche Zeichenskizzen bringt und zum großen Teil aus unveröffentlichten Quellen

stammt.

So darf der erste systematische Entwurf zur Erfassung der griechischen materiel-len Volkskultur als ein geglücktes Unternehmen bezeichnet werden, da er Akzentesetzt und als methodische Richtschnur für künftige Fragebogenaktionen konzipiertist. In diesem Sinne hat die griechische Volkskunde einen ersten Schritt getan, eineihrer größten Forschungslücken zu schließen.

Walter Puchner

69