A. Mauerhofer( Hrsg.). Musikethnologisches Kolloquium zum 70. Ge-burtstag von Walther Wünsch( 1978), Die südosteuropäischeVolkskultur in der Gegenwart. Referate der 4. Internationalen Balkanolo-gentagung 1970, Walter Wünsch in Dankbarkeit gewidmet.(= Musikethnologi-sche Sammelbände, hrsg. v. Wolfgang Suppan, Institut für Musikethnologie ander Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz, Band 6.) Graz, Akade-mische Druck- und Verlagsanstalt, 1983. Brosch. 175 Seiten, zahlreiche( nichtnumerierte) Notenbeispiele, Diagramme, Lichtbilder, Kartenskizzen.
Es ist miẞlich, wenn zumal jüngere Forscher, die gleichsam auf Publikationenihrer Vorträge angewiesen sind, 13 Jahre lang darauf warten müssen, ihre Texte in-des in mancherlei Hinsicht ergänzt, erweitert, vielleicht auch von andernorts her an-geregt, verändert hätten. Es ist mißlich auch für einen Rezensenten, der das vorwegbemerken muß, wahrhaftig keine Lust hat, einen Vortrag um den anderen darauf zuprüfen, was damals( z. B. 1970) schon übersehen war, eigentlich hinein hätte ,, müs-sen", was seither zugewachsen ist( zumal A. Mauerhofer dankenswerterweise imVorwort, S. 7/8, Graz, Juni 1982, sehr klar dartut, welche Autoren und was sie indes-sen bulgarisch, serbokroatisch, anderwärts und verändert deutsch publiziert hatten,was deswegen oder aus anderen Gründen ausgespart werden sollte usw.). Notwen-dig würden manche Aussagen relativiert, ja verändert erkennbar sein usw. Dasmögen andere machen, für die diese Einzelaufsätze( auf die sie ja um so viele Jahreverspätet erst aufmerksam werden konnten, wenn ihnen z. B. die in Südosteuropaund vielleicht auch infolge der Sprachbarrieren nicht zugänglich wurden) ein beson-deres Anliegen, eine„ Quelle“, einen Forschungsstand darstellen. Hier ist das ineiner Sammelanzeige, die auch gar nicht mehr sein will, anders auch aus Raumgrün-den nicht möglich. Man soll zunächst sehr dafür dankbar sein, daß ein„, verloren“ ge-glaubtes Kolloquium unter den Händen eines so sehr tätigen, verantwortungsbe-wußten und oft genug unter eigenen Opfern fördernden Herausgebers, eben durchden Nachfolger von Walther Wünsch als Musikethnologe Wolfgang Suppan( Graz)überhaupt hat erscheinen können! Es können also nur ,, Anzeigen", nicht ,, Rezensio-nen“ sein, wenn besonders auf die Übersichtsartikel in diesem Sammelband hinge-wiesen wird, an dem so manche in der Südostforschung bestbekannte Persönlichkei-ten beteiligt sind, wovon drei nicht mehr leben.
Zwei Beiträge widmen sich der Musikethnologie als einer einst zu Graz vonW. Wünsch gegründeten, nunmehr von W. Suppan hier so erfolgreich vertretenenDisziplin der Geisteswissenschaften: Oskar Elschek( Bratislava): Das Bildungs-ideal in der gegenwärtigen Musikwissenschaft und Musikethnologie( 9-23) undFranz Födermayr( Wien): Zum Konzept einer vergleichend- systematischenMusikwissenschaft( 25-39). Alle anderen Vorträge gehen auf Balkanologisch-Volkskundliches- Kulturhistorisches im und aus dem Südostraum: Vitomir Belaj( Zagreb): Einige Tiermasken des Westbalkans( 41-52). Hier konnte der Verfasserbeim Typus„ Künstliches Tier“( S. 41) für sein eigenes Volk den Beitrag vonL. Kretzenbacher,„ Rusa“ und„ Gambela" als Equiden- Masken der Slowenen( Zs: Lares XXXI, Fasc. I- II, Firenze 1965= Alpes Orientales IV, 49-74, 4 Bild-tafeln) finden. Vorausweisend werden wir viel Neues erfahren aus dem großangeleg-ten Maskenwerk von Niko Kuret( Ljubljana), das wir für 1984/85 erhoffen dürfen.Martin Camaj( Lenggries; Albanologe an der Univ. München): Zum gegenwärti-gen Stand der Volksdichtung in Albanien( 53-58). M. Camaj hat seither wichtigevolkskundliche und dialektologische Untersuchungen zumal über Traditionen der
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