Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
Einzelbild herunterladen
 

einem ähnlichen Problem arbeiten und Vergleichsmaterial suchen. Eine Veröffentli-chung des gesamten niederösterreichischen keramischen Fundmaterials des Hoch-und Spätmittelalters ist vorgesehen.

Nach dem vorliegenden Endbericht von Frau Dr. Brigitte Cech( ÖMV Zl. 141/84, BMWF ZI. 7067/ 1-23/ 84) zusammengefaßt.

Klaus Beitl

Zur Ausstellung Zu, schön, um wahr zu sein- religiöse Massenartikel:geliebt, geschmäht, gekauft" im Grazer Stadtmuseum*)

Eine Ausstellung im Grazer Stadtmuseum vom 20. September bis zum 15. Okto-ber 1983. Veranstalter: Im Rahmen des Steirischen Herbstes Direktor Dr. WilhelmSteinböck und László Varvasovszky.

Der Steirische Herbst 1983 beschäftigte sich mit Bildern der religiösen Welt. Wur-den in anderen Ausstellungen Bildvorstellungen bedeutender Künstler der Vergan-genheit und der Gegenwart zur Darstellung gebracht, so folgte die Ausstellung hierim Grazer Stadtmuseum einem anderen Rhythmus. Man zeigte religiöse Massen-artikel: Öldrucke, Figuren aus Gips, Andenken und Fleißzetterl. Es sind dies Ge-genstände, die sich der Sprache der bildenden Kunst bedienen, nicht der Hochkunstangehören und oft die Grenze zu einer Volkskunst nicht erreichen. Sie sind weit indie Jahrhunderte hinein verfolgbar, vornehmlich aber sind sie Produkte des 19. Jahr-hunderts oder die unserer Tage. Es war nur wenigen Menschen gegönnt, bedeutendeWerke der Kunst in ihren Wohnungen aufzuhängen. So beschäftigte sich diese Aus-stellung mit dem Kunstwerk des kleinen Mannes. Mit der Industrialisierung ent-standen Bilderfabriken, und mit der Wohnungseinrichtung wurden gleichzeitig dieSchlafzimmerbilder und die Bilder über dem Sofa mitgeliefert. Viele konnten sichdiese Bilder leisten, und sie entsprachen oftmals dem Geschmack dieser Menschen.

Sie sind in ihrer Wirkung so angelegt, daß sie durch die Vereinfachung, aber auchdurch eine eigene Farbwirkung und oftmals durch liebliche Verzierungen den Griffnach ihnen in besonderer Weise anregten. Effektvoll also und in den verschiedenstenMaterialien reich garniert oder bestickt, wird in ihnen über den Gegenstand hinausder Eindruck des Wertvollen erweckt. Zum wichtigsten Ereignis dieser Gegenständeaber gehört die psychische Beziehung, die der Mensch, wenn er einmal einen solchenGegenstand bekommen hat, gekauft, ererbt hat, zu ihm einnimmt. Es entstand eineseelische Verbindung zwischen dem Menschen und dem Gegenstand, der weit überdas hinausgeht, was er selbst zum Ausdruck bringt. Erinnerungen an ganz bestimmteEreignisse, die den Menschen zutiefst bewegt haben, werden mit ihm erweckt. DieErinnerungen an die Sakramente, an Wallfahrten, an die Leistungen in der Schule,speziell im Religionsunterricht, verbinden den Eigentümer mit diesen Gegenstän-den. Wer von uns erinnert sich nicht an den Besuch bei der alten Tante oder gar derGroßmutter, deren Wohnungen oftmals mit diesen Gegenständen bestückt waren,und die Begegnung mit Bildern dieser Art ist zugleich die Begegnung mit der Jugendund die Erinnerung an diese Personen.

*) Ausstellungsbericht und-kritik in Ergänzung des Aufsatzes von Ulrike Agger-mann- Bellenberg Einige Bemerkungen zum Thema Kitsch im Bereich religiöserMassenartikel" in diesem Heft, S. 30-46.

58