Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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lerischen und historischen Werten in Salzburg nun durch das Landesinstitut fürVolkskunde gesichert und weiterverbreitet werden.

Das Landesinstitut für Volkskunde ist im Haus des Stadtkinos untergebracht.Die Anschrift des Instituts lautet: A- 5020 Salzburg, Museumsplatz 2( Tel.41 5 61-21 19), geöffnet Dienstag bis Freitag, 9 bis 13 Uhr.

Klaus Beitl

Großstadt- Aspekte empirischer Kulturforschung

Ein Tagungsbericht vom

24. Deutschen Volkskundekongreß 1983 in Berlin

Vom 26. bis 30. September 1983 fand in Berlin der 24. Deutsche Volkskundekon-greẞ statt, der dem Thema, Großstadt" gewidmet war- einem Thema, das beacht-lich viele Teilnehmer( über 500, davon 80 aus anderen europäischen Ländern undden Vereinigten Staaten) anzog.

Nicht zufällig scheint mir dieses, fast möchte man sagen, wieder einmal neu undaktuell empfundene Thema ausgerechnet Berlin als Tagungsort gefunden zu haben.Wie kaum eine andere Stadt läßt Berlin in seiner besonderen Situation soziokultu-relle Großstadtphänomene sichtbar werden. Schließlich war es auch in dieser Stadt,daß man erstmals auf universitärem Boden von einer Stadtvolkskunde" sprach; unddies zu einer Zeit, als man der Großstadt noch allgemein mit größten Vorbehaltengegenüberstand( Richard Beitl, Volksglaube der Großstadt. In: Deutsches Volks-tum der Gegenwart. Berlin, Wegweiser- Verlag, 1933, S. 70-100).

Helge Gerndt gab mit dem Eröffnungsvortrag Großstadtvolkskunde- Möglich-keiten und Probleme" den Rahmen dieser Tagung vor. Auf der Suche nach einerfundierten theoretischen Basis veranschaulichte er mögliche Ansätze zu einerKulturanalyse, die auch die Probleme einer genauen Abgrenzung zwischenGeschichtlichkeit und Funktionalität deutlich werden ließen. Eine markante undwichtige Aussage setzte Gerndt mit seiner Erkenntnis, daß sich die Großstadt für dievolkskundliche Betrachtung von Teilphänomenen des Alltags zum Paradigma fürden Alltag der gegenwärtigen Gesellschaft gewandelt hat, womit sich die Kategorie,, Großstadtkultur" als solche, als apodiktische Ganzheit sozusagen, in Frage stelltund nur noch für einzelne, entsprechend differenzierte Fragestellungen wesentlichbleibt. Dieser theoretische Ansatz, der an sich allerdings schon ausgesprochenwurde( Lehmann, 1978; Gerndt, 1981), fand in einigen Referaten seine Bestätigungbzw. seine Erweiterung. Hier sei vor allem auf den Beitrag von Dietmar Sauermann,, Zur Problematik der Kategorie Großstadt am Beispiel gebundener und offenerFreizeitbewältigung des folgenden Tages hingewiesen.

Eine für die volkskundliche Sichtweise zweifellos wertvolle Ergänzung brachte derArchitekt Friedrich Geist mit seinem Vortrag ,, Großstadt empfehlenswertesDurcheinander, wohlgeordnetes Nebeneinander", worin er die Auswirkungen derSiedlungsform und-architektur auf das Alltagsleben und die Alltagskultur derBewohner verdeutlichte.

Paul Huggers anschließende Darstellung der Entwicklung des Basler VorortesKleinhüningen von einer Dorfidylle zum Industriequartier" bot ebenso wie der

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