Chronik der Volkskunde
Laudatio für Oskar Moser am 26. Jänner 1984
Wir feiern heute den Geburtstag unseres lieben Freundes Oskar Moser. Wir feiernihn in guter Stimmung und dankbar für das Glück dieses Tages, denn es ist ein Ge-schenk, daß man den 70. Geburtstag erlebt, daß ein Mann ihn heute gesund undungebrochen feiert, der schon in seinen jungen Jahren als Soldat im Krieg die Grenzedes Lebens unmittelbar vor Augen hatte. Wir bedenken seinen Lebensweg und be-danken seine Lebensleistung. Es gehört zum Glück dieses Lebens, daß in ihm Berufund Neigung sich als Einheit- heute sagt man Identität- herausgebildet, harmoni-siert und dem Menschen das Bewußtsein der Sinnerfüllung seines Daseins gegebenhat. Freilich, es war ihm nichts geschenkt und ist ihm vieles auferlegt worden. Er trugSchweres, überwand Hindernisse und ließ sich durch Entbehrungen nie ermüden.Das curriculum vitae, das uns vorliegt, enthält viele Stationen. Sie im einzelnen vor-zuführen und darzustellen, ist nicht der Zweck dieser Stunde. Aber sie in ihrer sinn-vollen Reihe zu erkennen und in Erinnerung zu rufen, ist erlaubt. Der LebenslaufOskar Mosers beginnt am 20. Jänner 1914 knapp vor Ausbruch des Ersten Weltkrie-ges in Sachsenburg in Kärnten. Kindheit und Volksschule erlebte er daheim, aberder Zehnjährige kam an das Bundesrealgymnasium in Villach; die Reifeprüfunglegte er am Bundesrealgymnasium Lichtenfels in Graz ab. Dann kam das Universi-tätsstudium von 1933 bis 1938 in Graz: Germanistik, Romanistik und Volkskunde.Die Dissertation hat Karl Polheim approbiert. Nach der Promotion zum Dr. phil.ging er heim nach Kärnten, zuerst als Wissenschaftliche Hilfskraft am KärntnerHeimatmuseum, dann als Universitäts- Assistent am Institut für Kärntner Landes-forschung an der Universität Graz. Dieses Amt freilich war mehr verbrieft alsberuflich verwirklicht. Praktisch trug Oskar Moser von 1939 bis 1945 den grauen Sol-datenrock. Dann wurde er Mittelschullehrer in Villach und Klagenfurt, dann Bun-desstaatlicher Volksbildungsreferent. 1961 wurde er Lehrbeauftragter am Institutfür Volkskunde an der Universität Graz, er habilitierte sich, dankte 1966 für denprimo- loco- Ruf an die Universität Kiel und wurde schließlich am 14. Oktober 1971zum o. Professor für Volkskunde in Graz ernannt, und seit 1972 ist er Institutsvor-stand am Institut für Volkskunde an der Universität Graz. Inzwischen war er aberauch immer wieder in Kärnten tätig, wie etwa am Aufbau des Kärntner Freilicht-museums in Maria Saal. Seine unermüdliche und unablässige wissenschaftliche Ar-beit mußte ihm Zeit lassen für die Tätigkeit und oft führende Stellung in den
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