hohen Symbolgehalt besitzen) und an Zierformen, die einerseitsdas Material überhöhen, andererseits die„ Gebrauchskraft“ ver-stärken sollen. 27) Somit ist auch Volkskunst immer Träger höhererInhalte, die einen aufnahmebereiten, verstehenden Menschenfordert.
Das Gegenteil ist beim Kitsch der Fall. Kitsch rüttelt nicht wach,er schläfert ein. Kitsch versucht, nichtvorhandene Sicherheiten vor-zutäuschen, versucht, Problematisches und Tiefgründiges zu ver-niedlichen und zu vereinfachen. Er führt daher nicht zu Problemenund schon gar nicht zu ihrer Lösung hin, sondern entfernt von den-selben, lenkt von ihnen ab. Kunst will im Menschen schlummerndeEmpfindungen wecken, anregen und dadurch Erkenntnisse hervor-bringen. Kitsch dagegen verdeckt, verschüttet diese Möglichkeit,indem er den Menschen mit einer Fülle oberflächlicher Reize über-schüttet und so unechte Gefühle bereitstellt und anpreist. So findenwir im Lexikon für Theologie und Kirche für Kitsch das treffendeWort„, Erlebnisschund", denn das durch Kitsch initiierte Erleben
zielt nicht auf Wertgehalt und Wertantwort, sondern auf das unmittelbarZweckdienliche und Zusagende, nicht auf den Symbolgehalt des Sinnenfälli-gen, sondern auf dessen Brauchbarkeit oder Genießbarkeit...hin. Kitsch wird dadurch aber auch„, sittlich unwertig, ist Unwahr-haftigkeit und Genuẞsucht". 28)
Hermann Bausinger sieht im Kitsch eine Verletzung der schlich-ten Zweckform, deren dekorative Zusätze sich auf die Sentimenta-lität und verniedlichende Gefühle kaprizieren und die klischierteScheingefühle vorgefertigt anbieten. 29)
Auch Ludwig Giesz, der sich mit der Stellung des Kitsches alsanthropologischem Phänomen beschäftigt, sieht den Unterschiedzwischen Kitsch und Kunst unter anderem darin, daß Kunst einaktives, distanziertes Gegenüberstehen verlangt. Während Kitschganz bewußt versucht, Bewußtseinstranszendenz niederzuhaltenund einen Zustand der Benommenheit, des Dösens zu erzeugen.Ein Kunstgegenstand könnte daher in sich selbst geschlossen exi-stieren, er bedarf des Betrachters nicht unbedingt, Kitsch dagegenverlangt nach dem Konsumenten. So sieht Giesz weiters im Kunst-werk das ,, klassische Ausschwingen einer gestimmten Seele", wäh-rend Kitsch ,, eine mikroskopische Behaglichkeit und Hausmacher-stimmung" erzeugt.30)
Um Mißverständnissen entgegenzuwirken, sei ausdrücklichbetont, daß zwar ein fertiges Kunstprodukt ohne Betrachter
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