Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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Wert zu ergründen. Jene Wertigkeiten, die für die Erzeuger undVerbraucher bzw. Benützer derartiger Gegenstände maßgeblichsind, ja sie gleichsam erst entstehen lassen. Dabei wird es auch we-sentlich sein, nicht nur den Käufer und Benützer im Auge zu behal-ten, sondern ebenso den Hersteller, da ja bei beiden sehr verschie-denartige Einstellungen und Ziele vorhanden sein können.

Bei den Vorarbeiten zu einer Ausstellung über Kitsch, die dasGrazer Stadtmuseum im Rahmen des Steirischen Herbstes 1983"veranstaltete), rief die Bitte nach Leihgaben bei vielen Herstellernund Vertreibern der genannten Waren Peinlichkeit hervor, einePeinlichkeit, die deutlich machte, daß diese Personen selbstwußten, daß sie mit Minderwertigem handeln, dies als geschäfts-förderlich ansahen, aber auch sofort die Entschuldigung parathatten, sie müßten diese Ware führen, da sie am häufigsten gekauftwürde.

Wo dieser Kreislauf des Kaufens und Anbietens aber wirklichbeginnt, ist so leicht nicht festzustellen. Jedenfalls ist dabei zu be-denken, daß in unserem Industriezeitalter nicht mehr das Bedürfnisprimär und dessen Erfüllung sekundär ist, sondern daß Bedürfnissegeweckt werden müssen, damit immer wieder Produkte abgesetztwerden können.7)

Die Möglichkeit der Bedürfnisweckung machten sich die GrazerAltwaren- und Antiquitätenhändler auch sofort zunutze. Nachdemdas Grazer Stadtmuseum bei einigen dieser Händler und Trödlernach Ausstellungsstücken und Leihgaben gefragt hatte, begann derschwunghafte Handel mit religiöser Massenkunst und Kitsch ausder Zeit des vorigen Jahrhunderts bis zur jüngsten Vergangenheit.Bisher wenig beachtete Stücke dieser Gattung, Gipsmadonnen,Schlafzimmerbilder in der Art der May'schen Bilderfabrik, Öl-drucke und Lithographien, Kaffeehäferln mit Ansichten von Wall-fahrtsorten usw. wurden regelrecht aus den letzten Ecken hervor-gekramt( dies alles in einer Zeit von weniger als vier Wochen) undum den 10- bis 20fachen bisherigen Preis verkauft. Wie schnell sol-che ,, Verkaufsschlager" innerhalb des Händlerkreises bekannt ge-macht werden, zeigte auch der traditionelle Grazer Ägidi- Fetzen-markt, der in der Zeit der Ausstellungsvorbereitung abgehaltenwurde. Am 5. und 6. September gab es am Ägidimarkt kaum einenHändler( auch unter den auswärtigen, vor allem Wiener Fieran-ten), der nicht eine Unzahl der genannten Gegenstände in vorder-ster Reihe zu bisher nie vermutet hohen Preisen anbot.

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