Einige Bemerkungen zum Thema Kitschim Bereich religiöser Massenartikel
Massenkunst?
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Neue Volkskunst?- Billige Hochkunstkopie?-Oder Phänomen der Industriegesellschaft?
Von Ulrike Aggermann- Bellenberg
Der Kitsch ist eine Kunst, die festgesetzten Regeln folgt, und das gerade in einerZeit, in der alle künstlerischen Regeln von jedem Künstler in Frage gestelltwerden.')
Fast in jedem Wallfahrtsort entdeckt der Wallfahrer oder Be-sucher im Bereich der Gnadenkirche Stände und Geschäfte mitOpferkerzen, Wallfahrtsplaketten, Heiligenbildchen und unzähli-gen Wallfahrtsandenken unterschiedlichster Art. Dazu gesellensich je nach Geltungsanspruch des Geschäftes Marktfierantenwa-ren von gebrannten Mandeln über Kokoswurst und Lebzeltherzenbis hin zum Schweizer Taschenmesser, vom alpenländischen Trach-tenarmband bis zur industriell hergestellten Hochkunstkopie im ab-waschbaren Goldrahmen, in einer Art„ Second- hand- Galerie" fürjedermann. ,, Ringsum ist ein Babylon religiöser Konfektion aufge-stapelt“, wie Franz Werfel schrieb.²)
Kitschiger, lächerlicher Plunder in den Augen der einen, hochgeschätztes, gern gekauftes und immer wieder lieben Verwandtenmitgebrachtes Wallfahrtsandenken in den Augen anderer. Fürdritte vielleicht nostalgisches, den hintersten Winkel des Herzensrührendes Wallfahrtsambiente: niemals gekauft, doch an Ort undStelle vorsichtig, vielleicht sogar genuẞvoll eingeatmet, wie denRuch einer fernen, irrealen Zeit, deren Anklänge sehnsuchtsvolleWehmut erzeugen.
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