Jahrgang 
87 (1984) / N.S. 38
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Ein neapolitanischer Gelehrter reist 1824

durch Kärnten

Von Leopold Kretzenbacher

Reisen, das gehört heute in den westlichen Demokratien zu denSelbstverständlichkeiten für fast alle in einer sogenannten Wohl-standsgesellschaft. Das gilt für die Verfügbarkeit der Mittel, für dieZiele und für jegliche Art des Reisens zwischen dem auch Aben-teuer suchenden Camper und dem Bequemlichkeit vorziehenden,auf alles inbegriffen gehenden Pauschal- Urlauber. Das aber istnoch recht jung. Das ganze 18. Jahrhundert und noch tief bis in diezweite Hälfte des 19. hinein war das erheblich anders. Das Reisenstand außer den Wallfahrern-nur den Privilegierten offen: als Kavalierstour" den jungen Adeligen, von Berufs wegen denDiplomaten und wenigen Fernhandel Treibenden. Dann nochmanchen Gelehrten, die sich gleichsam vom Schreibtisch weg noch Unmittelbarkeit hinsichtlich Land und Leute" wünschten.Denen verdanken Kulturgeschichte und Volkskunde, auchAnthropologie und Sittengeschichte sehr viel, wenn sie zu ,, sehen",erkennen bereit waren, ein Urteil fanden und es dann zum Druckfür jene niederzuschreiben wagten, die zwar nicht selber reisen,wohl aber wissen wollten, wie es anderswo aussieht, aussah.¹)

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Solch ein Gelehrter war auch der Neapolitaner Michele Te-nore( 1780 bis 1861), seines Zeichens Botaniker und hochgeachtetin seiner Heimat als Direktor des Botanischen Gartens von Neapel,als Hochschullehrer, als Verfasser vieler Werke seiner Wissen-schaft²) und dies gewiß aus Beruf wie aus persönlicher Neigung-als Autor des vierbändigen Werkes seiner Reise durch ver-schiedene Teile Italiens, der Schweiz, Frankreichs, Englands undDeutschlands"( Viaggio per diverse parti d'Italia, Svizzera,

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