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ÖZV, LXXIV/ 123, 2020, Heft 1+ 2
zu begründen, wenn auch mühsam. Zugegeben wird:„ Hier ließesich mit Rolf Lindner wesentlich einfacher formulieren:, Für michist nichts erklärbar ohne eine historische Dimension"( S. 44).
Man muss sich„ erarbeiten“, was in dieser Arbeit aus demreichen Angebot an Informationen und Zugängen wichtig ist dannaber lohnt es sich.
DIETER KRAMER
Bianca Ludewig: Utopie und Apokalypse in der Popmusik.
Gabber und Breakcore in Berlin(= Veröffentlichungen des Institutsfür Europäische Ethnologie, 47). Wien: Verlag des Instituts fürEuropäische Ethnologie 2018, 300 Seiten, zahlr. Abb.
Ob Gabber oder Breakcore zu den Rändern oder den Tiefen elekt-ronischer Musik zu zählen sind, ist wohl reine Ansichtssache, aberauf jeden Fall gehören diese Genres zu den extremeren Spielartenelektronischer Musik. Verglichen mit Techno werden diese Musik-stile von einer Minderheit gehört, dementsprechend wurden sie auchwissenschaftlich bisher kaum bearbeitet. Dass dies nun nicht mehr soist, dazu hat Bianca Ludewig einen wichtigen Beitrag geleistet, indemsie ihre Masterarbeit aus dem Jahre 2012 vorletztes Jahr unter demTitel„ Utopie und Apokalypse in der Popmusik- Gabber und Break-core in Berlin" veröffentlichte. Außerdem fügte sie aktuelles ethno-grafisches Material hinzu.
Im Einleitungskapitel„ Fragmentierung und Zersplitterungder Musikstile" geht sie auf die Ausdifferenzierung elektronischerMusik in verschiedene Genres ein. Es werden Forschungsfragen und-stand sowie Methodologie geklärt, und den Leser* innen wird dieTheorie des„ Hardcore- Kontinuums“ nähergebracht. Unter diesemBegriff, der auf Simon Reynolds' Buch„ Generation Ecstasy" zurück-geht, das Ludewig jedoch nicht konkret zitiert, werden Genres derelektronischen Musik subsummiert, die sich auf die jamaikanischeSound System Culture zurückführen lassen und eng mit der briti-schen Clubkultur in Zusammenhang stehen. Das„ Hardcore- Kon-tinuum“ steht für kulturalisierte Eigenschaften, die das Potenzial