Jahrgang 
123 (2020) / N.S. 74
Seite
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Literatur der Volkskunde

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meist wohlwollend- unterrichtend, durchgehend um positive Formu-lierungen bemüht und nur selten belehrend. Als Inspirationsquelleund Materialsammlung für ein an historischen Fallvignetten undanschaulichen Beispielgeschichten interessiertes Publikum wird Kra-mers Text sicherlich seine Leserschaft finden.

TIMO HEIMERDINGER

Martina Röthl: Tiroler Privat( zimmer) vermietung. DispositiveBedingungen. Subjekteffekte. Aneignungsweisen(= InternationaleHochschulschriften, 654). Münster: Waxmann 2018, 597 Seiten.

Die dgv- Kommission Tourismusforschung nennt sich jetzt Mobili-täten. Aber es gibt so viel zum Tourismus speziell zu forschen, wiedie vorliegende Publikation belegt. Sie bezieht sich auf die Bereis-ten und deren Fähigkeiten, in diesem Feld ihre Subjektivität zu ent-falten. Martina Röthl schloss ihre Arbeit 2018 ab; auf Studien zuden Auswirkungen der Corona- Krise auf den Tourismus wird mannicht lange warten müssen. Trotz der immer wieder belegten hohenAnpassungsfähigkeit des Tourismus bei Terror, Erdbeben oder Tsu-namis wird Corona nicht folgenlos bleiben. PrivatvermieterInnensehen sich weniger stark vom Ertrag aus der Vermietung abhängigals gewerbliche BeherbergerInnen. In den meisten Fällen stellt dasEinkommen des( Ehe-) Partners die Grundsicherung dar( S. 12). Inder Krise wird es aber auch hier für manche kritisch, wenn das Kredit-volumen bis zum Rand ausgeschöpft ist.

Tiroler Privatzimmervermietung, wie sie bereits 1889 nach-weisbar ist, steht für den Übergang von der Notlösung zum häuslichenNebenerwerb. Das Privatzimmervermietungsgesetz von 1959 erlaubtes TirolerInnen, im häuslichen Nebenerwerb bis zu zehn Betten zuvermieten, ohne dafür ein Gewerbe anzumelden( S. 11) mit Bedin-gungen und Einschränkungen. Bei der Bewältigung der Krise werdendie von den Beteiligten in den Jahren der Prosperität entwickeltenSubjektqualitäten entscheidend sein. Um die geht es in der Studie.

Es gibt 66 leitfadengestützte Interviews, darunter nur 15 mitMännern, ferner informelle Gespräche( S. 56-58). Das ist eine solide