152
ÖZV, LXXIV/ 123, 2020, Heft 1+ 2
österreichische Volkskunde( ZföV) hervorgestrichene besondere Bedeu-tung der„ Photographie im Dienste der Volkskunde" ersichtlich.
Anhand der Bestände und Archivalien der Fotosammlung desVolkskundemuseums Wien, das sich von Anfang an, speziell abernach 1912 als„ patriotisches Institut“ verstand, lassen sich die viel-fältigen Beziehungen und der Austausch mit den annektierten undbesetzten Gebieten des Balkans vor dem Ersten Weltkrieg nachzeich-nen. Jüngste Recherchen in der Fotosammlung haben ergeben, dassdie oben erwähnte Fotosendung von Ćurčić höchstwahrscheinlichnicht die erste war. So sind in den Inventarbüchern und BeständenFotografien aus Bosnien zu finden, die später im IX. Ergänzungsbandder Zeitschrift für österreichische Volkskunde 1913 abgedruckt wurden.Dieser Ergänzungsband, der, wie Michael Haberlandt im Vorwortfesthält, eine„ reich illustrative Ausstattung“ aufweist, enthält VejsilĆurčićs Forschungen zu„[ r] ezente[ n] Pfahlbauten von Donja Dolinain Bosnien". Haberlandt weist Ćurčić als„ geschulten Fachmann"aus, der seine Erforschungen und„ seine Beobachtungen gleichzeitigmit der photographischen Kamera und dem zeichnenden Stift aufdas Genaueste festzuhalten vermochte“. Die Fotografien, die in demBand abgedruckt sind, finden sich heute in den Beständen der Foto-sammlung unter den Inventarnummern pos/ 4.150-4.182 ebenso wiejene Fotografien, die Ćurčić im genannten Brief erwähnt, unter denInventarnummern pos/ 2.406 I- 2.533 I, bezeichnet als„ Einschiebung"( siehe Abschnitt„ Inventarbücher“).
Die unterschiedlichen Verzeichnis- und Findlogiken, diesich hinter diesen Nummern verstecken, zeigen, dass seit dem„ Sam-melrausch“ in den ersten Jahren des Vereins und des Museums fürösterreichische Volkskunde das Besitzen und die Anzahl der Objekte( hier der Fotografien) als vordringlicher gegenüber einer musealen
5
6
818
7
Michael Haberlandt: Die Photographie im Dienste der Volkskunde.In: ZföV( II), 1896, S. 183–186. Dieser Beitrag in der„ EthnographischenChronik“ ist ein Abdruck eines Vortrages Michael Haberlandts im„ Camera"-Club der Amateurphotographen. Darin ruft Haberlandt dieMitglieder auf, ihre Arbeiten und Fotografien in den Dienst der Volks-kunde zu stellen und diese an das Museum für Volkskunde einzusenden
bzw. zu übergeben.
Jahresbericht des Vereines für 1911. In: ZföV( XVIII), 1912, S. 60.Ćurčić( wie Anm. 4).
Ebd., S. 3.