Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde123 (2020) / N.S. 74Boehm, Karoline: Das Queere Museum – Interventionen ins kollektive Gedächtnis

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das Queere Museum – Interventionen ins kollektive Gedächtnis : zu Konzeption und inhaltlicher Programmierung eines Workshops
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Karoline Boehm, Das Queere Museum- Interventionen ins kollektive Gedächtnis

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Dynamik von Theorie und Sprache

Queer Theory ist ein dynamisches Konzept. Je nach Kontext vari-ieren identifikatorische und politische Bedürfnisse und Notwendig-keiten. Dynamisch ist die Queer Theory auch in analytischer und wis-senschaftsdiskursiver Hinsicht.20 Wenn etwas nicht abgeschlossen,sondern in Bewegung ist, entwickelt sich nicht zuletzt auch die Artund Weise weiter, etwas zu benennen und zu beschreiben- zum Bei-spiel, um Dinge zu thematisieren, die lange Zeit tabuisiert und ver-schwiegen wurden oder nur verallgemeinert oder verklärt zur Sprachekamen, oder um den Blick zu öffnen für marginalisierte Wahrneh-mungen und Performanzen. Da gerade Sprache über geschlechtlicheund sexuelle Vielfalt divers und stark in Bewegung ist, war davonauszugehen, dass nicht alle Teilnehmer_innen immer, dieselbe Spra-che sprechen würden. Die Veranstaltung verstand sich deshalb alsEinladung, sich anderen, vielleicht neuen Begriffen, Definitionen undArten, über etwas zu sprechen, zu öffnen und sich mit einem gewis-sen Erkenntnisinteresse auf die Bekanntschaft mit Begriffen, Schreib-weisen und theoretischen Framings einzulassen.

Wie bedeutsam Sprache und ein Zulassen ihrer Dynamik ist,verdeutlichte Christine van Haaren in ihrem Beitrag GendersensibleSprache im Museum. Über die Entstehung eines Leitfadens. Sie berich-tete, wie einerseits die Mitarbeiter_innen und andererseits das Pub-likum der Berlinischen Galerie sich mit gendersensibler Sprache undSchreibweise( mit Gender- Star) vertraut machten. Seit 2018 findetin der Berlinischen Galerie ein Sprachleitfaden Anwendung, der ineinem mehrstufigen Prozess von einer abteilungsübergreifendenArbeitsgruppe im eigenen Haus entwickelt wurde. Unter anderem derBefund, dass die Verwendung des generischen Maskulinums, bei demsich Frauen und/ oder andere Personen jenseits binärer Geschlechter-ordnungen, mit angesprochen' fühlen sollen, keineswegs geschlechts-neutral rezipiert werde, 21 unterstrich die Notwendigkeit einer explizit

20 Vgl. James Sanders: The Museum's Silent Sexual Performance.

21

In: Where is Queer? Museums& Social Issues 1( 3), 2008, S. 16.Vgl. z. B. Elke Heise: Sind Frauen mitgemeint? Eine empirische Unter-suchung zum Verständnis des generischen Maskulinums und seinerAlternativen. In: Sprache und Kognition- Zeitschrift für Sprach- undKognitionspsychologie und ihre Grenzgebiete 1/2( 19), 2000, S. 3–13;