136
ÖZV, LXXIV/ 123, 2020, Heft 1+ 2
so sind es bislang doch erst wenige Dauerausstellungen, die nicht- hete-ronormatives Begehren, Leben und Wirken erwähnen und darstel-len. Grund für die tendenzielle Abwesenheit von LSBTIQ- Geschichtein Museen ist nicht immer eine kategorisch ablehnende Haltung,wie sie beispielsweise 2001 vom damaligen Leiter der Museen derStadt Wien eingenommen wurde. Mit dem Argument,„ schwul-lesbische Kulturgeschichte[...] sei kein Thema für eine historischeDarstellung", 15 lehnte er seinerzeit ab, einer ebensolchen Ausstellungim Museum Raum zu geben. Oft ist es die Quellenlage, die Ausstel-lungsmacher_innen vor große Herausforderungen stellt – was zu denBeiträgen der Veranstaltung überleitet.
Anders sammeln und suchen
Ausgehend von dem Befund, dass sich in den Depots der meistenMuseen„ kaum Materialien und Objekte mit Bezug zu LSBTIQ*" 16finden oder diese nicht als solche dokumentiert sind, machte Han-nes Hacke in seinem Eröffnungsvortrag Sammlungen queeren deut-lich, wie Sammlungspolitiken durch heteronormative Standardsgezeichnet sind, und zeigte Möglichkeiten auf, diese zu queeren."Im Fokus seiner Ausführungen standen insbesondere Logiken derObjekt- Registratur und Verschlagwortung in Datenbanken undDokumentationsblättern, die den Bezug zu nicht- heteronormen
14
15
56
16
17
Die Museen der Stadt Wien waren bis Ende 2001 der Magistratsdirek-tion 10 und der dortigen Leitung unterstellt. Mit 1.1.2002 wurde ein imOktober 2001 gefasster Beschluss zur Ausgliederung aus dem Magis-trat wirksam. Seither bildet das Universalmuseum mit einer Vielzahlan Standorten eine Anstalt öffentlichen Rechts und firmiert als WienMuseum. Zu bürokratischen Aspekten der Geschichte des Wien Muse-ums siehe: Peter Csendes: Geschichte der Wiener Magistratsabteilungenin den Wahlperioden 1969 bis 2005. Wien 2007, S. 29 f., S. 166–168.Förster, Natter, Rieder( wie Anm. 12), S. 8.
So Hannes Hacke in seinem nicht publizierten Abstract zum Workshop,
2020.
Als ein wichtiges Hilfsmittel verwies Hacke auf die von der Landesstellefür Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung der Berliner Senatsver-waltung herausgegebene Broschüre LSBTI- Geschichte entdecken! Leitfadenfür Archive und Bibliotheken zur Geschichte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen,trans- und intergeschlechtlichen Menschen, verfasst von Christiane Leidin-ger, 2016.