Karoline Boehm, Das Queere Museum- Interventionen ins kollektive Gedächtnis
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Betrachtung markieren muss. Indem wir uns ansehen, wie binäre undheteronormative Eindeutigkeit historisch hergestellt wurde, haben wirdie Chance, ein weiteres Spektrum gesellschaftsgestaltender Kräfte inunseren Analysen von Geschichte und Gegenwart zu beachten, wirkönnen hegemoniale Erzählungen einer Revision unterziehen. Und:Es bietet sich die historisch betrachtet seltene Option, unsicht-bar und vergessen Gemachtes in die Diskurse der Gegenwart immerwieder und immer differenzierter einzuschreiben. Dazu gehört dieganz normal andere Alltagsgeschichte von LSBTIQ- Personen. Dazugehört aber auch die lange und nuancenreiche Geschichte massiverVerfolgung, Illegalisierung und Kriminalisierung von nicht- hetero-normen Akteur_innen.12
Diese Geschichte ist noch nicht abgeschlossen, auch in Öster-reich, Deutschland und der Schweiz sind wir ganz aktuell noch Zeit-zeug_innen eines eher mühsamen und zähen Ringens um Gleich-stellung und Akzeptanz- ohne gesicherten Ausgang. 13 Wenngleichmittlerweile auch in deutschsprachigen Kontexten einige Ausstellun-gen mit einem Fokus auf LSBTIQ- Geschichte stattgefunden haben,
12 Zur Verfolgung von Homosexuellen im Holocaust siehe: Geoffrey J.Gilles: Persecution of Gay Men and Lesbians during the Third Reich.In: Jonathan C. Friedman( Hg.): The Routledge History of Holocaust.London, New York 2011, S. 385 ff. Zur Geschichte der Verfolgung inÖsterreich siehe: Veronika Weiss: Sexualität und Kontrolle. Verfolgungund Diskriminierung Homosexueller in Österreich im Dritten Reichund heute. Frankfurt a. M. 2006. Im Bereich des Ausstellungswesensist folgender Katalog besonders hervorzuheben: Andreas Brunner u. a.:Geheimsache Leben: Schwule und Lesben im Wien des 20. Jahrhunderts.Wien 2005, S. 150 ff; Wolfgang Förster, Tobias G. Natter, Ines Rieder( Hg.): Der andere Blick. Lesbischwules Leben in Österreich. Eine Kul-turgeschichte. Wien 2001.
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Zum Stand jüngerer Debatten rund um ausstehende Maßnahmen derGleichstellung nicht binär oder heteronormativ verorteter Personenund Lebensweisen in Österreich siehe: Herwig Hakan Mader: DrittesGeschlecht: Innenminister Nehammer hält an verfassungswidrigem Erlassfest, 23.4.2020, https://www.ggg.at/2020/04/23/drittes-geschlecht-
innenminister- nehammer- haelt- an- verfassungswidrigem- erlass- fest/( Zugriff: 7.10.2020); siehe auch Nikolaus Benke:„ Ich glaube nicht, dasses sinnvoll ist, dass wir unsere ganze Wertebasis in Frage stellen." Zu denFragmenten einer österreichischen Debatte über die Ehe für Homosexu-elle. In: Sabine Strasser, Elisabeth Holzleithner( Hg.): Multikulturalismusqueer gelesen: Zwangsheirat und gleichgeschlechtliche Ehe in einer plura-len Gesellschaft. Frankfurt a. M., New York 2010, S. 235 ff.