Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde123 (2020) / N.S. 74Barnaš, Veronika: Arbeit am Schwindel. Fahrende Schausteller*innen und mechanisch erzeugte Rauscherlebnisse auf Jahrmärkten.

  
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Arbeit am Schwindel. Fahrende Schausteller*innen und mechanisch erzeugte Rauscherlebnisse auf Jahrmärkten. : (Filmische) Einblicke in die Gegenwart und historischer Kontext
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Veronika Barnaš, Arbeit am Schwindel

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Entstehung der Reichs- und Landespolizeiverordnungen im 17. und18. Jahrhundert( und der damit einhergehenden Ausstellung vonKünstler* innen- Pässen) bis zur Verleihung des Heimatrechts, dasbis in die Erste Republik festlegte, an welchem Ort man nicht alsFremde/ r galt.22 Die Gesetzgebung hatte negative Folgen für die Fah-renden, da jeweils noch genauer definiert wurde, wer Fremde/ r undsomit abzuschaffen war, sprich ausgewiesen werden sollte. 23 Daswesentliche gemeinsame Zeichen der Fahrenden blieb die Nicht- Sess-haftigkeit, und so waren sie trotz ihrer Beliebtheit in der Bevölke-rung der Willkür der Herrschenden ausgeliefert, galten als potenzielleKriminelle und wurden als Rechtlose mitunter verfolgt. Neben demStigma des ,, Fremden entsprachen Schausteller- und Musikant* innennicht den utilitaristischen Bestrebungen eines aufgeklärt- rationalis-tischen Staates und dem von ihm vorgeschriebenen Arbeitsethos.24Mit dem Entstehen von stationären Vergnügungsparks im Zugeder Industrialisierung ab der Mitte des 18. Jahrhunderts tauchte dieBezeichnung Schausteller( die allerdings keiner einheitlichen Defi-nitionen unterlag) erstmals auf.25 Gleichzeitig boomte auch schon dasSchausteller innen- Gewerbe und entwickelte sich zu einem eigenenIndustriezweig.26 Die Errichtung von stationären Zirkusbauten inGroßstädten ab Beginn des 19. Jahrhunderts2 führte zu einer Ver-bürgerlichung", sprich Sesshaftwerdung einzelner Berufsgruppen, dievormals zu den Fahrenden gezählt wurden, wie Artist-, Kunstreiter-und Seiltänzer- sowie auch Schauspieler* innen.28

Weiterhin bezogen sich die Vorurteile gegenüber Fahrendenbis ins 20. Jahrhundert hinein auf drei Kategorien: die vermeintlichnicht vorhandene Identität durch den fehlenden festen Wohnsitz,

22 Vgl. ebd., S. 143.23 Vgl. ebd., S. 145 f.

24 Vgl. ebd., S. 144.

25

Vgl. Christian Efing: Jenische unter Schaustellern. Wiesbaden 2004,S. 21 ff.; Faber( wie Anm. 11), S. 72-86.

26 Vgl. Ulrich Borsdorf: Vergnügen im Museum. In: Lisa Kosok, MathildeJamin( Hg.): Viel Vergnügen. Öffentliche Lustbarkeiten im Ruhrgebiet

der Jahrhundertwende. Essen 1992, S. 6-9, hier S. 7.

27 Vgl. ebd., S. 19 f.

28

Vgl. Gertrude E. Stipschitz: Historische Voraussetzungen für Zirkus undSchauvergnügen in Wien. In: Peter, Kaldy- Karo( Hg.)( wie Anm. 14)

S. 13-32, hier S. 19.