Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde123 (2020) / N.S. 74Barnaš, Veronika: Arbeit am Schwindel. Fahrende Schausteller*innen und mechanisch erzeugte Rauscherlebnisse auf Jahrmärkten.

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Arbeit am Schwindel. Fahrende Schausteller*innen und mechanisch erzeugte Rauscherlebnisse auf Jahrmärkten. : (Filmische) Einblicke in die Gegenwart und historischer Kontext
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Veronika Barnaš, Arbeit am Schwindel

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ich die oberösterreichischen fahrenden Schausteller* innen- FamilienAvi und Schlader auf ihren Routen durch Österreich zu verschiedenenJahrmärkten und Volksfesten. 2020 wurde der KurzdokumentarfilmFAHREN( 30 min) fertiggestellt.

1. Filmen als künstlerisch- wissenschaftliche Methode immobilen Forschungsprozess mit bewegten Protagonist* innen

Reiselogbuch: Von Wels über Sipbachzell nach Linz/ Urfahr, 15. April 2019:Saisonstart des Ehepaars Erich(* 1954) und Elfriede Avi(* 1955, geb. Spit-zer). Ich begleite sie nach Sipbachzell, wo sie neben ihrer Werkstatt/ Lageran ihrem Wohnort Wels Fahrgeschäfte und Wohnwägen bei einem Bauerneingestellt haben. Sie werden an diesem Tag mehrmals zwischen Sipbachzellund Linz/ Urfahr hin und her fahren müssen, um mit zwei Autos neben dendrei Kinderfahrgeschäften( Trampolinspringen, Wasserbälle und Quads) undeiner Bogenschießbude auch jeweils einen Wohnwagen für sich und ihreMitarbeiter* innen vor Ort zu transportieren. Nachdem ich das gleichzeitigeLosfahren der zwei Autos inkl. Anhänger gefilmt habe, fahre ich im Auto mitElfriede Avi mit und nehme das Gespräch auf. Sie sei noch nicht ganz einge-stellt auf den Arbeitsbeginn. Nachdem sie aber vorhin kurz im Wohnwagengewesen sei, freue sie sich doch schon, wieder darin zu wohnen. Sie lie-ben es, auf diesem reduzierten Raum alle Annehmlichkeiten zu haben: WC,Dusche, Fußbodenheizung, Waschmaschine etc. Wenn sie aus dem Fensterblicke, habe sie immer eine andere Aussicht: am Urfahraner Markt die Donau,während des Ruperti- Kirtags die Salzburger Festung und den Dom. Dadurchfühle sie sich trotz der Arbeit immer wieder wie im Urlaub und gleichzeitigüberall zu Hause, da sie an den Orten teils schon Jahrzehnte arbeite. Sieleben allerdings nicht mehr während der ganzen Saison im Wohnwagen, undschon gar nicht das ganze Jahr wie noch die Elterngeneration ihres GattenErich Avi. Seit ihrer offiziellen Pensionierung haben sie ihr Arbeitspensumstark reduziert und bespielen nur noch wenige ausgesuchte Jahrmärkte.Am Urfahraner Markt/ Linz angekommen werden zuerst die Wohnwägen imdafür vorgesehenen Bereich abgestellt, fixiert und die Wasser- und Stroman-schlüsse gelegt. Rundherum werden grüne, undurchsichtige Zäune aufge-stellt, um den Wohnbereich vom Jahrmarktgelände abzugrenzen. WährendElfi Avi den Wohnwagen innen benutzbar macht, indem sie z. B. die Pölsterund Handtücher aus den Geschirrkästen entfernt, die vor Bruch währendder Fahrt schützen sollen, beginnt Erich Avi das Trampolinspringen aufzu-