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ÖZV, LXXIV/ 123, 2020, Heft 1+ 2
und Schreibens zu haben. Die Teilnahme an diesen Diskursen gerietfolglich zu einer Frage nach dem Niveau des eigenen Bildungsstands,der im 18. Jahrhundert auf gehobene Literalität zentriert war. Damitwurden neben ländlichen Gebieten- selbst innerhalb der Städte undgrößeren Siedlungszentren weite Teile frühneuzeitlicher Volksbildung,die in geringerem Ausmaß einer Vermittlung durch Bücher und Pam-phlete entsprachen, ausgeschlossen.36 Es nimmt folglich wenig wunder,dass in den 1740er und 50er Jahren weitere Meldungen von Vampir-fällen eintrafen so 1753 in der Hofkammer in Wien über ungeklärteTodesfälle, die sich in Siebenbürgen und im Banat ereignet hatten.Georg Tallar übernahm die Untersuchung und verfasste dazu denhandschriftlichen Bericht Visum Repertum Anatomico Chyrurgicum.37
Georg Tallar und sein Visum Repertum Anatomico Chyrurgicum 38Über Georg Tallars Leben und Wirken ist historisch nicht viel nachweis-bar.39 Dementsprechend ist er heute außerhalb von Spezialistenkreisen
36 Vgl. Richard van Dülmen: Kultur und Alltag in der Frühen Neuzeit.16.- 18. Jahrhundert, 2: Dorf und Stadt. München ³2005, S. 39; WolfgangNeugebauer: Kultureller Lokalismus und schulische Praxis. Katholischesund protestantisches Elementarschulwesen besonders im 17. und 18. Jahr-hundert in Mitteleuropa. In: Peter Claus Hartmann( Hg.): Religion undKultur im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts(= Mainzer Studien zurNeueren Geschichte, 12). Unter Mitarbeit von Annette Reese. Frankfurta. M. 2004, S. 385-408, hier S. 391.
37 Vgl. Anja Lauper: Die phantastische Seuche. Episoden des Vampirismusim 18. Jahrhundert. Zürich 2011, S. 40 f.; Peter M. Kreuter: Der Vampir-glaube in Südosteuropa. Studien zur Genese, Bedeutung und Funktion.Rumänien und der Balkanraum(= Berliner Schriften zur romanischenKultur- und Literaturgeschichte, 9). Berlin 2001, S. 90-93.
38 Georg Tallars Visum Repertum Anatomico Chyrurgicum oder Unterthänigstgehorsamster Sumarischer Bericht. Von und über Die so genante Vampir oderBluthẞauger; Wallachischer Sprache Moroi genant befindet sich heute imÖsterreichischen Staatsarchiv( Finanz- und Hofkammerarchiv, SUS Kur02, fol. 1-22) und besteht aus zwei Teilen: zwei Blätter( fol. 1; fol. 22), diewie ein Umschlag fungieren und das Vorwort des späteren Herausgebersbeinhalten, sowie Tallars Bericht, der mit einem Widmungsschreibenan die Banater Landesadministration beginnt, worauf die eigentlicheAbhandlung folgt.
39 Vgl. im Folgenden: Georg Tallar: Visum Repertum Anatomico- Chi-rurgicum oder Gründlicher Bericht von den sogenannten Blutsäugern,Vampier, oder in der wallachischen Sprache Moroi, in der Wallachey,Siebenbürgen, und Banat, welchen eine eigends dahin abgeordnete