64
ÖZV, LXXIV/ 123, 2020, Heft 1+ 2
dieser Betroffene untersucht und deren Häuser inspiziert hatte, kamer zu der Erkenntnis, dass es sich um keine ansteckende Krankheithandeln könne. Die regelmäßig auftretenden Fieberepisoden, denendie Ansässigen im weiteren Verlauf zum Opfer fielen, müssten viel-mehr„ von gehabten Depouchen vor ihrer Räzischen Fasten" 17- alsovon einer Aufeinanderfolge von Fasten und Völlerei im Zuge des Fas-tenbrechens herrühren. Im Vergleich zu Frombald, der den Vampir-glauben nicht weiter hinterfragte, war Glaser nach der Exhumierungausgewählter Leichen um Berichtigung der bedrohlichen Vorstellun-gen bemüht, da die Betroffenen die unglückliche Lage mit„ Vambyres,oder Bluth Seiger" 18 in Verbindung brachten und eine, Hinrichtungder verdächtigen Toten forderten.
Da die Lage wegen Androhung der Abwanderung der Ange-siedelten aber zu eskalieren drohte, wurde von der Belgrader Verwal-tung die Entsendung des Regimentsfeldschers Johann Flückinger mitzwei Feldschergesellen und kontrollierenden Offizieren angeordnet,um eine chirurgische Visitation durchzuführen. Flückinger ließ sichvon den Dorfältesten das bisherige Geschehen erzählen und begabsich anschließend auf den Friedhof,„ umb die verdächtigen Gräbereröffnen zu lassen,[...] die darin sich befindliche Cörper zu visitiren[...]. Sein Bericht Visum et Repertum ergab einen mit Kisolova ver-gleichbaren Informationsgehalt. Das Auftreten von mehreren Todes-fällen wurde in ursächlichen Zusammenhang mit Personen gebracht,die nach ihrem Ableben zurückgekehrt wären und sowohl die Ansäs-sigen als auch das Vieh mit verheerender Auswirkung befallen hät-ten. Das Öffnen ausgewählter Gräber bestätigte den Verdacht undforderte mit Konsequenz die ultima ratio populorum ein:
" 19
„ Nach geschehener Visitation seynd denen sambentlich Vam-pyre die Köpff durch die dasige Zigeuners Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuners herunter geschlagt,
17
Glaser: Bericht von der Dorffschafft Metwett an der Morava. In: Öster-reichisches Staatsarchiv. Finanz- und Hofkammerarchiv, SUS Kur 70,fol. 1134r- 1136r, hier fol. 1134r.
18
Ebd.
19 Johann Flückinger: Visum et Repertum. Über die so genannte Vampyrs,oder Blut aussaugers, so zu Medvegya in Servien an d. TürkhischenGräntz den 7. Jan. 1732 geschehen. In: Österreichisches Staatsarchiv.Finanz- und Hofkammerarchiv, SUS Kur 70, fol. 1138r- 1140r, hierfol. 1138v.