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ÖZV, LXXIV/ 123, 2020, Heft 1+ 2
der Bericht von Georg Tallar aus dem Jahr 1753, aufgegriffen und imSpiegel der aufklärerischen Vampirismusdebatte analysiert wird.
Mit dem Frieden von Passarowitz zwischen Kaiser Karl VI.und Venedig auf der einen sowie Sultan Ahmed III. auf der ande-ren Seite endete 1718 der Venezianisch- Österreichische Türkenkrieg- und damit vorerst eine lange Reihe an kriegerischen Auseinander-setzungen des Hauses Habsburg mit dem osmanischen Reich. Über200 Jahre lang hatten die Habsburger ihre kriegspolitische Aufmerk-samkeit auf die Hohe Pforte gerichtet, um ihre ungarischen Besitzun-gen zurückerobern, die eigenen Gebiete schützen sowie größeren Ein-fluss auf Kroatien und Siebenbürgen ausüben zu können. Die unterPrinz Eugen von Savoyen( 1663–1736) neu erworbenen Gebiete an derSüdostgrenze des Habsburgerreiches umfassten Nordserbien und Bel-grad, das Banat, einen Grenzstreifen im nördlichen Bosnien und denwestlichen Teil der Walachei. Die österreichische Militärverwaltungteilte diese Gebiete in zwei Generalkommandanturen, die zugleich alsLandesadministration fungierten: Belgrad für Serbien und Bosnien,Timişoara für das Banat und die Walachei. Da sich die Militärgrenzeaufgrund von permanenten Kriegshandlungen in einem ökonomischwie sozial desolaten Zustand befand, wurden einerseits griechisch-orthodoxe Bevölkerungsgruppen aus dem osmanischen Herrschafts-gebiet- Heiducken im Banat, Walachen in Siebenbürgen und Rätzenin Slawonien angesiedelt, die sich als unbesoldete Miliz gegen eineSteuererleichterung dafür verpflichteten, diese strategisch sensiblePufferzone gegen neuerliche Angriffe aus dem Süden zu verteidigen.Andererseits versuchte man mit ähnlichen Vergünstigungen, deutsch-stämmige Siedler und Siedlerinnen katholischer Prägung anzuwerben,um eine Agrarwirtschaft aufzubauen.³
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Vgl. Karl Vocelka: Glanz und Untergang der höfischen Welt. Repräsenta-tion, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat(= Öster-reichische Geschichte. 1699-1815). Wien 2001, S. 107 f.; Hans Schmidt:Karl VI.( 1711–1740). In: Anton Schindling, Walter Ziegler( Hg.): DieKaiser der Neuzeit 1519-1918. Heiliges Römisches Reich, Österreich,Deutschland. München 1990, S. 200-214, hier S. 206 f.; Peter Judson:Habsburg. Geschichte eines Imperiums. 1740-1918. Aus dem Englischenvon Michael Müller. München 2017, S. 66 f.; Thomas Bohn: Vampiris-mus in Österreich und Preußen. Von der Entdeckung einer Seuche zumNarrativ der Gegenkolonisation. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuro-pas 2( 56), 2008, S. 161-177, hier S. 162 ff.