Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde123 (2020) / N.S. 74Müller-Kelwing, Karin: Generationswechsel: Museumsbeamte neuen Typs?

  
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Generationswechsel: Museumsbeamte neuen Typs? : Fritz Fichter und Hans Kummerlöwe - zwei Museumsdirektoren in Dresden in der NS-Zeit
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Karin Müller- Kelwing, Generationswechsel: Museumsbeamte neuen Typs?

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Deutschen, reiste Fichtner im Auftrag des Reichsstatthalters durchdas Generalgouvernement- so nach Krakau und Warschau-, umPorzellane sächsischer Herkunft in Museen und Privatsammlungenin den besetzten Gebieten aufzuspüren und nach Deutschland zuverbringen.26 Seine Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst derSS( SD) ist hingegen unklar. Der Reichsstatthalter hatte ihm gera-ten, eine feste Bindung mit dem SD nicht einzugehen, jedoch dieAbgabe von Berichten gestattet, nachdem Fichtner ihm mitgeteilthatte ,,, daß Herren des SD Interesse an meiner Mitarbeit hätten undmich hierzu aufgefordert haben und er seine Beziehungen zum SDin früheren Fällen zum Vorteil der Museen ausnützen" 27 konnte.

Innerhalb des Kreises von Fachkollegen pflegte Fichtnerbesonders den Kontakt zum Generaldirektor der Berliner Museen,dem Kunsthistoriker und Ostasienspezialisten Otto Kümmel.Mehrfach bat er den Berliner Kollegen um Rat, zum Beispiel beider Neubesetzung von Stellen. 28 Ab 1937 engagierte sich Fichtner inder Deutschen Keramischen Gesellschaft( DKG). Als Mitglied ihresKunstbeirates beriet er die keramische Industrie in Deutschland. BisJuli 1944 referierte er auf diversen Tagungen der DKG, zum Beispielin Bonn und Wien. Diese Vorträge publizierte er mithilfe seiner Kon-takte zur keramischen Industrie als Sonderdrucke. 29 Auch seine letztein Dresden kuratierte Ausstellung mit Serienporzellan wäre ohnediese Beziehungen nicht realisierbar gewesen.

Fichtner war in seinem Handeln in der NS- Zeit ein bereitwil-liger Mitläufer, für den die pragmatische, fachlich- inhaltliche Arbeitim Mittelpunkt stand- geschickt nutzte er dafür seine Vernetzung inPolitik und Wirtschaft. Energisch trat er für den Schutz der Samm-lungen während des Krieges und zugleich für die Fortführung desBildungsauftrages der Museen ein.

26 Vgl. Fichtner, Porzellangalerie, an Generaldirektor Otto Kümmel, Berlin,6.11.1939, SKD Archiv, 01/ PS 42, Bd. I, Bl. 238 u. Fichtner an Reichsstatt-halter in Sachsen, Staatskanzlei, 11.12.1939, SKD Archiv, 01/ PS 43, Bd. II,Bl. 130. Dieses Thema zählt zu den Desiderata der Forschung.Fichtner an Leiter des Ministeriums für Volksbildung, 30.11.1939, SKDArchiv, 01/ PS 43, Bd. II, Bl. 97 f.

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28 Vgl. Fichtner an Leiter des Ministeriums für Volksbildung, 18.7.1940 u.Bericht von Fichtner, 23.7.1940, SKD Archiv, 01/ PS 43, Bd. III, Bl. 102,105 f.

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Vgl. SKD Archiv, 01/ PS 54, Bd. 1.