Karin Müller- Kelwing, Generationswechsel: Museumsbeamte neuen Typs?
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( womit er sich quasi selbst beaufsichtigte) und Kriegsverwaltungsratinspizierte Fichtner regelmäßig die einzelnen Sammlungen undübernahm wie alle anderen Mitarbeiter Luftschutz- Nachtwachen imMuseum. Nachdem er 1942 mit der Leitung der Bergungsmaßnahmender Staatlichen Sammlungen beauftragt worden war, bereiste er zudemregelmäßig sämtliche Bergungsdepots zur Revision.
Unmittelbar nach Kriegsende, noch im Mai 1945, verließFichtner Sachsen und ging nach Bayern. In den Museumsdienstkehrte er nicht zurück, wohl aber in die Lehre, nachdem er, von derSpruchkammer Coburg als„ Mitläufer“ eingestuft, eine Sühnezah-lung geleistet hatte. 23 Ab 1948 war er Lehrbeauftragter an der Uni-versität Erlangen und der Philosophisch- Theologischen HochschuleBamberg, von 1955 bis 1958 Professor für Christliche Archäologieund Kirchliche Kunst an der Universität Erlangen. Fichtner starb am9. September 1969 in Erlangen.
Das Netzwerk, in dem Fichtner in seinen Dresdner Berufs-jahren, insbesondere in der NS- Zeit, agierte, lässt sich aufgrund derlückenhaften Überlieferung nur grob rekonstruieren. Eng arbeiteteer mit den Mitarbeitern der Staatlichen Sammlungen sowie mit denBeamten im Sächsischen Volksbildungsministerium und dessen Kom-missarischem Leiter, Arthur Göpfert, zusammen. Zu seinem Arbeits-alltag zählten ebenfalls Gespräche mit dem NSDAP- Gauleiter vonSachsen, Reichsstatthalter Mutschmann.( Abb. 4)
Eindeutig involviert war Fichtner in den nationalsozialisti-schen Kunstraub. Im Rahmen der Beschlagnahmung der Sammlungdes jüdischen Bankiers Gustav von Klemperer 193824 hatte er Kontaktzur Geheimen Staatspolizei. Diese hatte„ verschiedene Museumsdi-rektoren ersucht, Kunstwerke des Hauses Klemperer sicherzustel-len" 25. Im November 1939, nach der Okkupation Polens durch die
23 Vgl. Spruchkammer Coburg- Stadt, K III 453- R II 364/48, beglaubigteAbschrift, 11.3.1948, BayHStA, MK 43591, o. Pag.
24 Vgl. Anette Loesch: Das Schicksal der Porzellansammlung Gustav vonKlemperers. In: Ulf Häder( Bearb.): Beiträge öffentlicher Einrichtungender Bundesrepublik Deutschland zum Umgang mit Kulturgütern aus ehe-maligem jüdischen Besitz(= Veröffentlichungen der Koordinierungsstellefür Kulturgutverluste, 1). Magdeburg 2001, S. 56-77.
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Protokoll einer Beratung, Ministerium für Volksbildung, 23.1.1939, SKDArchiv, 01/ PS 43, Bd. II, Bl. 91–96.