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ÖZV, LXXIV/ 123, 2020, Heft 1+ 2
Die Offensive in der Bildungsarbeit der Museen im National-sozialismus insbesondere nach Beginn des Zweiten Weltkrieges dienteklaren ideologischen Zielen und erforderte fachlich wie pädagogischgeschultes Personal. Wer wäre für diese Aufgaben besser geeignetgewesen als promovierte Fachwissenschaftler mit einer zusätzlichenpädagogischen Ausbildung, dem Staatsexamen für das höhere Lehr-amt, die über Lehrerfahrung verfügten und NSDAP- Mitgliederwaren? In diesem Zusammenhang sind die Neubesetzungen zweierDresdner Direktorenstellen in der NS- Zeit interessant: jene der Por-zellansammlung im Dezember 1933 mit Fritz Fichtner und die derMuseen für Tierkunde und Völkerkunde mit Hans Kummerlöwezum Jahresbeginn 1936. Die Biografien beider Direktoren sollen imFolgenden mit Blick auf ihre Karriere im Nationalsozialismus vor-gestellt werden.
Fritz Fichtner( 1890-1969) 17
Am 16. Juni 1890 als Sohn eines Oberlehrers in Dresden geboren,besuchte Fritz Fichtner nach dem Gymnasium bis 1910 das Lehrer-seminar in Zschopau, im sächsischen Erzgebirge. Nach dem Dienstals Einjährig- Freiwilliger arbeitete er als Volksschullehrer, bevor er inDresden an der Kunstgewerbeakademie Kunstpädagogik studierte undan der Kunstakademie Anatomiekurse belegte. Im Ersten Weltkriegdiente er als Freiwilliger im Sanitätsdienst. Erst nach dem Krieg legteer die Staatsprüfung für das höhere Lehramt ab und unterrichtete anGymnasien in Leipzig und Dresden. Parallel dazu studierte er an derUniversität Leipzig und an der Technischen Hochschule in DresdenKunstgeschichte, Geschichte, Archäologie, Architektur und Philoso-phie. Im Juli 1921 wurde Fichtner in Leipzig mit der Arbeit Die Dresd-ner Bildhauerschule des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts promoviert,
17 Vgl. Personalakten Fritz Fichtner, HStA Dresden, 13859 Reichsstatthalter( Staatskanzlei), Personalamt, Nr. 1553 u. 1960 sowie HStA Dresden,11125 Sächsisches Ministerium des Kultus und Öffentlichen Unterrichts,Nr. 22891, Bl. 5r; SKD Archiv, 01/ PS 40, Bl. 218-219; BayerischesHauptstaatsarchiv( BayHStA), MK 43591 u. MK 78130. Vgl. DoritPetschel( Bearb.): Die Professoren der TU Dresden 1828-2003. Köln,Weimar, Wien 2003, S. 209. Vgl. Müller- Kelwing( wie Anm. 3),S. 306–310.