Jahrgang 
121 (2018) / N.S. 72
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348 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXII/ 121, 2018, Heft 2

views mit Persönlichkeiten aus dem sudetendeutschen Verbandswesenerhoben und mit Fotobefragungen kombiniert wurden, sprachen dieAkteure über den Heiligenhof stets unter den Aspekten von Identitäts-stiftung, Gemeinschafts( er) leben und erinnerter Heimat. Die Methode,Fotografien als Erzählanreize in den Interviews zu verwenden, stand imZentrum der darauffolgenden Diskussion, in der die Frage aufgeworfenwurde, auf welche Art und Weise sie spezifische Narrative evozieren.

An diese methodische Diskussion knüpfte sich die dritte Sektion zum Wie mit einem Beitrag von Sarah Scholl- Schneider an, die danach fragte,mit welchen Methoden innerhalb der Kommission in den vergangenenJahrzehnten eigentlich geforscht wurde. Angeregt durch die in diesemForschungsfeld üblichen Rückschauen und Selbstbestimmungen, hattesie mit Studierenden ihres aktuellen Mainzer Seminars Go East! eineBestandsaufnahme der bis dato erschienenen Bände des Jahrbuchs derKommission vorgenommen. Wenngleich Angaben zu Methoden undQuellen in zahlreichen Ausgaben intransparent blieben, habe es dochimmer wieder durchaus innovative, kreative und methodisch richtungs-weisende Ansätze gegeben, die von einzelnen Mitgliedern der Kommis-sion ausgingen. Scholl- Schneider verwies in Bezug auf die methodischenZugänge aber auch darauf, dass durchaus unterschiedliche Methodenfür die unterschiedlichen Aufgabenbereiche der Kommission im Blickzu behalten seien, etwa hinsichtlich Fragen der Vermittlungsarbeit imMuseum. Schließlich plädierte sie mit Blick auf die Zukunft für eineintensivere Auseinandersetzung mit Methoden und betonte, dass diesauch die Relevanz des Faches gegenüber etwa den im östlichen Europasehr aktiven Geschichtswissenschaften stärken würde.

Die von Scholl- Schneider angeführten Einzelthemen wurden im Bei-trag von Katharina Schuchardt( Kiel) aufgegriffen, indem sie die Interde-pendenzen zwischen Forschungsförderung,-ausrichtung und Vermittlungvon Ergebnissen an den wissenschaftlichen Nachwuchs aufzeigte. Dennzum einen seien Forschungen zum östlichen Europa, auch wegen beidsei-tig mangelnder Sprachkenntnisse, kaum inter- und transnational ausgelegt.Dies führte zu einer Fokussierung der Forschung auf die immer wiedergleichen Regionen und Gruppen sowie zur Reproduktion festgeschrie-bener Paradigmen von Ost und West, welche auch durch die Finanzie-rung von Forschungsprojekten durch die Mittel nach dem§ 96 des BVFG( Bundesvertriebenengesetz aus dem Jahre 1952 in Westdeutschland)bedingt seien. Das daraus entstehende Bild des östlichen Europas ver-ringere zum anderen die Wettbewerbsvorteile von Ländern des östlichen