Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde121 (2018) / N.S. 72Jaschke, Beatrice: Wie richtig! Laudatio zur Verleihung des Museumspreises an das Volkskundemuseum Wien

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Wie richtig! Laudatio zur Verleihung des Museumspreises an das Volkskundemuseum Wien
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Beatrice Jaschke, Wie richtig!

das Museum bereits 1895, doch ist es erst 1917 in das barocke Palais Schön-born eingezogen. Die 100- jährige Nutzung des Hauses als Museum war( wieder einmal) Anlass, um über die eigene Geschichte, über Positionie-rungen und Handlungen im Namen von Volkstum und Heimat zu reflek-tieren. Dabei traf der Blick auf alte Öffnungen seit der Gründungsideeebenso wie auf gewaltvolle Schließungen in den 1930er Jahren, eine in derGeschichte Österreichs und Wiens lange nachwirkende Periode. Für dieVolkskultur gilt die Zeit als dynamisch". In ihr verdichteten sich Entwick-lungen, wurden Netzwerke und Praktiken begründet, die maßgeblich ander Herstellung und Gestaltung von Heimat beteiligt waren besondersin der Stadt, also im Roten Wien. Dabei begegnen wir emanzipatorischenKonstruktionen von Heimat einer Idee, die, sehr bald ihrer Offenheitberaubt, bereits im Austrofaschismus zum Kampfbegriff und im Nazis-mus zu einer der ideologischen Untermauerungen für die Vertreibungund Ermordung vieler WienerInnen werden sollte.

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Die Ausstellung heimat: machen stellte sich diesen Zusammenhängenund fand letztes Jahr genau zu einem Zeitpunkt statt, als diese Begriffewieder politisch sehr aufgeladen im Wahlkampf von verschiedenen Seitenverhandelt bzw. benutzt wurden. Das Volkskundemuseum Wien brauchtkeinen Namensumwandlungsprozess um das sehr schwierige Wort Volkzu verlieren.

Wenn wir mit ein[ em] Volk das noch fehlt" Gilles Deleuze' zitieren,ist das Volkskundemuseum ein Museum für das Volk, das fehlt. Es istzu verstehen im Sinn von the people, im Sinn von demos, nicht ethnos-ein demokratisches Museum, eine Kontaktzone im wahrsten Sinne desWortes. Es ist ein Impulsgeber, doch einer, der nicht versucht, neutralzu sein, sondern einer, der immer- kritisch und offen zugleich- Posi-tion bezieht. Mit Blick auf die gesellschaftspolitischen Entwicklungen inEuropa stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortungund institutionellen Haltung.

Es ist außerordentlich bemerkenswert, dass es gerade den Mitarbei-terInnen in einem Museum mit so prekären Arbeitsverhältnissen gelingt,diese zukunftsweisende Arbeit zu leisten. Die JurorInnen des Museum-spreises haben dies erkannt. Schade, dass die politischen Entscheidungs-

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Ausstellung heimat: machen. Das Volkskundemuseum in Wien zwischen Alltag undPolitik von 18.10.2017 bis 11.3.2018. Vgl. https://www.volkskundemuseum.at/heimatmachen( Zugriff: 20.11.2018).

Vgl. Gilles Deleuze: Das Zeit- Bild. Kino 2. Frankfurt am Main 1985, S. 277-288.

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