Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde121 (2018) / N.S. 72Kreissl, Eva; Eisch-Angus, Katharina: Volkskundlich ausstellen?

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Volkskundlich ausstellen? : zur inhaltlichen und methodischen Spezifik des Ausstellung-Machens in Volkskunde/ Empirischer Kulturwissenschaft/Europäischer Ethnologie [Gespräch]
Einzelbild herunterladen
 
  

300

Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXII/ 121, 2018, Heft 2

-

EK: Meine Wünsche sind natürlich geprägt von meinen Erfahrungen.Manchmal traue ich mich das Wünschen nicht mehr, weil ich bereits dieHürden sehe, an denen die Realisierung von Projekten zu scheitern droht.Diese Hürden bauen sich schlicht aus der Größe des Joanneums auf, wowie in vielen anderen Unternehmen derzeit immer mehr Aufgabenvon immer weniger Personen erledigt werden sollen und dabei ein immergrößerer Verwaltungsaufwand und immer gravierendere Sicherheitsaufla-gen mitgeschleppt werden. Außerdem wird seitens der Politik viel zu sehrEinfluss auf die Aufgaben des Joanneums und manchmal auch konkretauf die des Volkskundemuseums genommen. Da werden Entscheidungenvon Menschen getroffen, die unser Haus nie betreten haben oder wenn,dann zu einer Eröffnung für wenige Minuten unter den Blitzlichtern derJournalistInnen.

Als ich 2005 ans Museum kam, habe ich mir vorgenommen, es fürein neues, heterogeneres Publikum zu erschließen und dabei das ange-stammte Publikum nicht zu vergraulen. Letzteres ist ganz gut gelungen,doch diese Generation wird einfach demografisch immer dünner. Dererste Anspruch ist immer nur punktuell aufgegangen. Jede Ausstellungsprach wieder andere Menschen an mit den unterschiedlichsten kultu-rellen Backgrounds, auch viele jüngere. Viele waren positiv überraschtüber eine Ausstellung oder Veranstaltung und darüber, wie das Museumheute ausschaut und agiert, das sie bestenfalls von einem Besuch in ihrerSchulzeit kannten und kamen nie wieder. Daher wünsche ich mir ers-tens, dass sich das Museum in Zukunft besser vernetzen kann, als mirdas gelungen ist. Denn Bindung entsteht eher durch gemeinsames Arbei-ten mit anderen Einrichtungen und Gruppen an einem Projekt als durchüberraschende Besuche.

Zweitens würde ich mir stärkere Verbindungen zu den ländlichenRegionen wünschen, eine stärkere Stadt- Land- Achse. Schließlich han-delt das Museum vom zumindest historischen Leben der Menschen amLand. Die heutigen kennen das Volkskundemuseum aber nicht. Und dasMuseum thematisiert die Lebenswirklichkeit der Menschen am Landnicht. Da ginge es nicht in erster Linie um die Erschließung neuer Besu-cherschichten oder den Austausch mit örtlichen Kultur- und Tourismus-beauftragen, sondern vor allem um eine thematische Öffnung des Hauses,in der auch neue Formen der Feldforschung betrieben würden, vielleichtgemeinsam mit der Universität. Man könnte gemeinsam Fragen bear-beiten, z. B., wie örtliche Gemeinschaften funktionieren. Welche Rollenübernehmen da die Feuerwehren, Tankstellen, Direktvermarkter? Oder