Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde121 (2018) / N.S. 72Kreissl, Eva; Eisch-Angus, Katharina: Volkskundlich ausstellen?

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Volkskundlich ausstellen? : zur inhaltlichen und methodischen Spezifik des Ausstellung-Machens in Volkskunde/ Empirischer Kulturwissenschaft/Europäischer Ethnologie [Gespräch]
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXII/ 121, 2018, Heft 2

Kultur der Steiermark ja per se wirklich kein Reißer. Wie viel man darausaber ziehen kann, welch unglaubliches Feld an Zugängen und Deutungenselbst dieser eingeschränkte Blickwinkel auch für unsere Gegenwart lie-fern kann, das eröffnet sich erst, wenn man sich damit beschäftigt. Unddazu muss man Menschen erst verleiten, das Haus zu besuchenvielem anderen auch durch den Namen des Hauses.

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Also schlug ich vor, eine Leerformel zu suchen, die weder inhaltlichnoch politisch besetzt ist. Tabula rasa. Allein unsere Tätigkeiten solltenuns definieren und nicht mehr die Belastung der Geschichte oder dieBeschränkung der Sammlung. Mir gefällt Museum am Paulustor rechtgut. Aber es könnte auch jeder x- beliebige andere Name sein, der viel-leicht hilft, das Museum in Graz überhaupt zu finden oder auch andeutet,dass man hier nicht Prunk und Pracht vorfindet, sondern der bereits sug-geriert, dass man hier in eine etwas andere Sicht auf die Welt eintauchenkann.

KEA: Nachdem das Grazer Volkskundemuseum als solches 2017 bei-nahe geschlossen worden wäre, scheint nun viel vielleicht zu viel- anzustehen, vom Einbezug in ein Expo- Projekt über die Neukon-zeptionierung der Dauerausstellung bis hin zum organisatorischenZusammenschluss mit dem Freilichtmuseum Stübing, das kürzlichper Landtagsbeschluss dem Joanneum zugeschlagen wurde. Waswürdest Du dem Joanneum in dieser Situation raten?

EK: Diese Zusammenlegung ist eine große Herausforderung, nicht zuletztlogistisch und personalpolitisch. Da das Joanneum seit 2011 Einsparungals sein mit Abstand oberstes Ziel verfolgt, sehe ich natürlich auch dieGefahr, dass die spezifischen Qualitäten beider Einrichtungen leiden wer-den- es sei denn, es wird eine sehr kluge, fachlich versierte und weitbli-ckende Person mit der Abteilungsleitung betraut. Doch diese Besetzungwird nach parteipolitischen Kalkülen vorgenommen werden. Und bittesag mir: Wie oft hat das schon zum Erfolg eines Unternehmens geführt?

Inhaltlich sehe ich in der Gründung einer eigenen Abteilung für Stü-bing und das Museum durchaus eine Chance. Doch auch hier: nur dann,wenn fachliche Erfahrung und museale Kompetenz die Voraussetzungfür die Neubesetzung der Museumsleitung( oder welchen Phantasiena-men man immer für diesen Posten erfinden/ einführen wird) darstellen.Die Chance liegt in der deutlichen Positionierung in Form von Abgren-zung bei gleichzeitigem Respekt und wechselseitiger Unterstützung. Stü-