Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde121 (2018) / N.S. 72Kreissl, Eva; Eisch-Angus, Katharina: Volkskundlich ausstellen?

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Volkskundlich ausstellen? : zur inhaltlichen und methodischen Spezifik des Ausstellung-Machens in Volkskunde/ Empirischer Kulturwissenschaft/Europäischer Ethnologie [Gespräch]
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Volkskundlich ausstellen?

dem Land abbildeten; ihre Kleidung wurde als typisch für einen Ort odereinen Landstrich angesehen. Kaum jemand aber fragte, woher ein Stoffkam, der zu einem Leibkittel oder einer Schürze verarbeitet wurde. Denndie wurden entweder selbst oder von einer anderen Frau genäht, die daskonnte. Den Stoff gab es beim Kaufmann, auch auf Jahrmärkten oder inkleinen Mengen von Wanderhändlern. Und man kaufte, was es gab, alsowas in den Textilzentren der gesamten österreichischen Monarchie seitEnde des 18. Jahrhunderts produziert worden war. Außerdem war Stoffeine verbreitete Form der Entlohnung für weibliche Dienstboten und auchein beliebtes Geschenk, das man von der Godin oder einer Tante aus Wienbekam. Die konstruierten regionalen Spezifika wie die der Tracht werdenalso ad absurdum geführt, wenn man den Alltag in historische Überle-gungen einfließen lässt. Und wenn ich eine Ausstellung zu Kleidung oderTracht mache, muss ich genau das auch versuchen zu zeigen, um das nati-onalistische Motiv hinter diesen Konstruktionen und die sozialpolitischeInstrumentalisierung dieser Kleidung bis heute zu verdeutlichen.

KEA: Wie steht es um die Wahrnehmung der Spezifik volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Ausstellens in den verschiedenen Muse-umsszenen und in der Öffentlichkeit? Welche Rolle spielt hierbei dasImage der Volkskunde, wie lässt sich damit umgehen?

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EK: Ich glaube, dass die Volkskundler viel empfindlicher gegenüber demeigenen Fach sind- was sich ja an der immerwährenden Namensdiskus-sion offenbart als die Nachbardisziplinen. Die haben doch die Para-digmenwechsel und Turns der Volkskunde längst wahrgenommen undbeurteilen deren Vertreter nach den Ergebnissen ihrer Arbeit und nichtdanach, wo diese glauben, sich im Dschungel der Selbstdefinitionen zubefinden. In einer Filmrezension habe ich einmal gelesen, der Regisseurhabe mit geradezu volkskundlich feinem Blick die Intentionen seiner Pro-tagonisten skizziert. Genau das ist es! Das können wir. Und anstatt dasweiter zu verfeinern, zu schulen und immer wieder einzusetzen, verlierenwir uns in Debatten zur Namensgebung.

Aber weil dieser volkskundliche Blick nicht nur genau und vielschich-tig, vielleicht manchmal zu detailverliebt ist, immer sehr, sehr nahe ran-geht, hören uns viele Menschen gerne zu, schauen sie unsere Museenund Ausstellungen an. Natürlich hören auch viele nicht gerne zu odermöchten ihren Blick auf die Welt nicht erweitern. Warum das so ist, isteine andere Frage. Auch wenn ich damit wieder Klischees bediene: Gute

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