Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde121 (2018) / N.S. 72Sysyn, Frank; Kaltenbrunner, Matthias: Vom Bojkenland nach Basel: Der Briefwechsel zwischen Mychajlo Zubryc❜kyj und Eduard Hoffmann-Krayer, 1910–1912

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Vom Bojkenland nach Basel: Der Briefwechsel zwischen Mychajlo Zubryc❜kyj und Eduard Hoffmann-Krayer, 1910–1912 : ein galizischer Dorfpriester und seine wissenschaftlichen Netzwerke
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXII/ 121, 2018, Heft 2

die Seitenteile boky"[ Seiten], die Löcher an den Seiten ostroky" und dasganze Oberteil ostroky", zum Beispiel- die ostroky sind noch gut, wennman sie flickt, kann man in ihnen noch gehen. Die ostroky schneiden siemit einem Messer heraus oder stechen sie mit einem Meißel aus. Für dasNähen der chodaky zahlt man nichts; man geht von Nachbar zu Nach-bar und bittet: Kume oder svatu[ Anredeformen für Verwandte, Ver-schwägerte oder Paten], könnten Sie mir chodaky nähen!" Das Nähen derchodaky ist nicht viel Arbeit, daher kommt der Besitzer zur vereinbartenZeit und holt sie ab; manch einer gibt für das Nähen der chodaky Tabakfür die Pfeife, manchmal erinnert auch der Schuster selbst daran: Viel-leicht haben Sie etwas Tabak bei sich?", und für eine Hand voll Tabakwird er auch drei chodaky nähen.

Zu den chodaky muss man noch voloky und obuvanci" oder ostričnyky" erzeugen; die voloky sind aus Leder oder Wolle, die obuvanciaus Leder oder aus gesponnenen Fäden geflochten. In Mšanec' und inden benachbarten Dörfern trägt man voloky und obuvanci aus Leder, ineinigen Dörfern des Bezirks Turka voloky aus Leder. Voloky, das ist einschmaler Gürtel aus Leder, zwei Meter lang, obuvanci sind einen Meterlang. In ein Ende der voloka wird ein Loch gestochen für einen Knopf amEnde des Riemens, der vom pysok[ der Schuhspitze] des chodak weggeht,und auf dem anderen Ende schneiden sie ein Loch in die voloka und inden obuvanec. Durch die Öffnung im obuvanec' ziehen sie das Ende dervoloka durch, und von dort befestigen sie das zweite Ende des obuvaned' inder Öffnung der voloka, wie einen Faden im Nadelöhr, und ziehen durchdiese Öffnung den ganzen obuvanec' durch. Voloky aus Wolle werden ausFäden gemacht, die aus Wolle gesponnen wurden, und am Ende befes-tigt man eine Schnur, die aus gesponnenen Fäden hergestellt wurde. Fürvoloky aus Leder zahlt man jetzt in den jüdischen Geschäften 60 Hellerbis zu einer Krone, und für ein Paar obuvanci 30 bis 40 Heller; volokyaus Wolle macht sich jeder selbst zu Hause. Für den Sommer machensie kleinere chodaky, für den Winter größere, festere; die Fußlappen fürdie Schuhe machen sie aus alten Hemden oder aus alten, abgetragenen,zerrissenen portky[ Hosen], aus einer plachta, aus einer mal'ovanka[ zweiArten von Röcken] und sogar aus einem alten Jutesack. Eine maľovankaist auf einer Seite mit Farbe bemalt; die bemalte Seite wird an den Füßenund am Körper getragen, und das reine Leinen schaut nach oben, damitdie Färbung nicht sichtbar ist. Im Sommer zieht man einen Fuẞlappenan, im Herbst zwei, im Winter legen sie auf die Unterseite der chodakyein bisschen Stroh, ziehen einen Fußlappen an und oben bedecken sie