Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde121 (2018) / N.S. 72Sysyn, Frank; Kaltenbrunner, Matthias: Vom Bojkenland nach Basel: Der Briefwechsel zwischen Mychajlo Zubryc❜kyj und Eduard Hoffmann-Krayer, 1910–1912

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Vom Bojkenland nach Basel: Der Briefwechsel zwischen Mychajlo Zubryc❜kyj und Eduard Hoffmann-Krayer, 1910–1912 : ein galizischer Dorfpriester und seine wissenschaftlichen Netzwerke
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXII/ 121, 2018, Heft 2

Quellenedition

Artikel Mychajlo Zubryc'kyjs über chodaky( Lederschuhe), 1909

Mychajlo Zubryc'kyj, Chodaky als Schuhwerk der Bauern in denBezirken Staryj Sambir und Turka, in: Materijaly do ukrajins❜kojietnologiji, Tom XI, 1909, S. 23-29[ Übersetzung aus demUkrainischen von M. K.].

Die Bauern der angeführten Bezirke gehen in chodaky, kaum jemand inStiefeln, und wenn, dann nur an den Sonn- und Feiertagen und haupt-sächlich solche Leute, die im Militär gedient haben. Die Bewohner vonDörfern im Besitz von Adeligen gehen die meiste Zeit in chodaky, aber anden Feiertagen und Sonntagen trifft man eine größere Zahl von Leuten inStiefeln. Die jungen Frauen und Mädchen gehen am Sonntag in Stiefelnzur Kirche; der Vater gibt diese der Tochter als Mitgift, das ist ein Teilder Ausstattung; an Wochentagen, Arbeitstagen gehen sie barfuß, und inchodaky im Winter oder wenn es draußen kalt ist oder wenn sie währendder Ernte auf dem Feld arbeiten. Im Sommer gehen junge Frauen undMädchen vereinzelt barfuß zur Kirche, was sie früher vermieden, mansagte ,,, es ist eine Schande, barfuß zur Kirche zu gehen. Die Männer undjungen Burschen gehen an Sonn- und Feiertagen nicht barfuß zur Kirche,höchstens, wenn starker Regen und Matsch herrscht, aber dies kommtnicht häufig vor; eher vielleicht an einem Arbeitstag, wenn jemand beiirgendeiner Gelegenheit[ zur Kirche geht], zum Beispiel zu einer Taufeoder einem Begräbnis; zu einer Hochzeit kommen alle in Schuhen. AnArbeitstagen ziehen alle entweder Schuhe an, zum Beispiel im Winter,oder sie gehen barfuß um das Haus herum, wenn es matschig ist, oderwenn die Hirten zum Vieh gehen. Beim Pflügen, beim Trocknen desHeus und bei der Ernte ziehen sie Schuhe an, aber wenn jemandem dieSchuhe kaputt werden und sich dieser keine neuen leisten kann, so geht erbarfuß. Wer häufig barfuß geht, bei dem wird die Fußsohle so dick, dassihn ein Stein, ein Stoppelfeld oder etwas anderes Hartes weder sticht nochdrückt. Die Frauen gehen häufiger ohne Schuhe als die Männer, obwohlchodaky für diese weniger kosten.

Etwa vor 40 Jahren kauften die Leute für die chodaky Leder vonOchsen, Kühen, unbearbeitet, auch noch mit Fell; zwei Stück Leder