Frank Sysyn und Matthias Kaltenbrunner, Vom Bojkenland nach Basel
gesprochen wurde, war in Kindrativ der Bojko- Dialekt des Ukrainischendie einzige gesprochene Sprache- der einzige Jude hatte das Dorf in den1860er Jahren verlassen.
Zubryc❜kyjs Vater war, obwohl adeliger Herkunft, die er sich in den1830er Jahren sogar offiziell hatte bestätigen lassen, Analphabet, was kei-neswegs ungewöhnlich war- ein Erbe der untergegangenen polnisch-litauischen Adelsrepublik, in der sich nicht wenige der vielen Adeligen,die sechs bis acht Prozent der Bevölkerung ausgemacht hatten, als Bauernverdingt hatten. Die familiäre Konstellation, in welcher der älteste Sohnbei Mychajlos Geburt bereits den elterlichen Hof übernommen hatte,brachte es mit sich, dass Zubryc'kyj zu einem Priester ins Tal geschicktwurde, einem entfernten Verwandten, wo er eine Ausbildung erhielt. ImAlter von 14 Jahren wurde Zubryc'kyj auf das„ Kaiser Franz Joseph- Gym-nasium" in Drohobyč, einem wichtigen regionalen Zentrum, geschickt,das etwas später für seine Erdölindustrie bekannt werden sollte. Die pre-käre finanzielle Lage seiner Eltern war jedoch stets ein Problem, sodasssich Zubryc❜kyj schon früh seine Ausbildung durch Nachhilfestundenselbst finanzieren musste. Seine Herkunft bestimmte letztlich auch seineStudienwahl: Während er davon träumte, Philologie und Geschichtezu studieren, entschied er sich für eine theologische Laufbahn, die ihmein sicheres Einkommen in Aussicht stellte, und trat in das griechisch-katholische Priesterseminar in Przemyśl- heute im äußersten SüdostenPolens gelegen ein, während er gleichzeitig Kurse an der Universität inLemberg belegte. Die Zeit am Priesterseminar prägte den jungen Mannin Bezug auf seine politische Orientierung: Er wurde zum überzeugtenUkrainophilen; diese traten für eine nationale Gemeinschaft aller Ukra-inischsprachigen in der Habsburgermonarchie und im Russischen Reichein, während die Russophilen, die das kulturelle Leben der Ukrainer inGalizien noch bis in die 1880er Jahre dominieren sollten, die Ukrainer alsTeil einer größeren ostslawischen Nation unter der Führung Russlandssahen.16
1883 heiratete Zubryc'kyj die Schwester eines Mitseminaristen undwurde Hilfspriester im Dorf Mšanec', wo er zunächst den alten Pries-den Großvater seiner Ehefrau unterstützte und die Pfarre nachdessen Tod einige Jahre später übernahm. Gemeinsam mit seiner Ehefrauhatte er sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten.
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16 Siehe dazu Anna Veronika Wendland: Die Russophilen in Galizien. UkrainischeKonservative zwischen Österreich und Russland, 1848-1915. Wien 2001.
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