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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXII/ 121, 2018, Heft 2
an der materiellen Kultur der BergbewohnerInnen, wobei die galizischenLandesausstellungen- 1877 in der galizischen Hauptstadt Lemberg, 1887in Krakau und 1894 abermals in Lemberg- eine wichtige Katalysatorfunk-tion erfüllten. Sie rückten zunächst im Geiste der Gewerbeausstellungendie regionalen„ Hausindustrien" in den Fokus und richteten schließlichexplizit ethnografische Bereiche ein, welche die Siedlungs- und Häuser-struktur ebenso wie landschaftliche Geräte und Alltagsgegenstände, aberauch alles, was mit den„ Volksbräuchen“ zusammenhing, umfassend doku-mentieren sollten. So wurden denn die Landesausstellungen zu indirektenVorläufern der ethnografischen Museen- aus temporären Ausstellungenwurden schließlich permanente.2 Die Sammeltätigkeit des 1895 gegründe-ten ,, Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien" lässt sich daherals Fortsetzung früherer Kollektionsaktivitäten sehen, bei denen meistdie dörfliche Intelligenz eine Schlüsselrolle als Vermittler spielte: In derRegel war es der Dorfpriester oder der Lehrer, der die Objekte vor Ortbeschaffte und den jeweiligen Museen zukommen ließ.3 Dabei wiesen dieWiener und die galizische Perspektive diametral entgegengesetzte Interes-sen auf, die sich jedoch gewissermaßen symbiotisch ergänzten: Das Volks-kundemuseum in der Hauptstadt ebenso wie sein Publikationsorgan, dieZeitschrift für österreichische Volkskunde, setzte sich die„ Erforschung undDarstellung des Volkstums der Bewohner Österreichs“ zum Ziel, wobeidie„ volle Unbefangenheit in nationalen Dingen", wie Reinhard Johlerbetont,„ politisch ausgleichend" wirken sollte. Das Museum und seineKollektionsaktivitäten sollten daher auch eine Fortsetzung des in den1880er Jahren begonnenen und erst kurz nach 1900 vollendeten Monu-mentalwerkes Die Habsburgermonarchie in Wort und Bild sein, das vonKronprinz Rudolph initiiert worden war und deshalb unter der Bezeich-nung„ Kronprinzenwerk" bekannt ist. Dieser Zugang implizierte eine Artvon cisleithanischer„ Völkerkunde“ und war daher auf die Mitwirkung dereinzelnen nationalen oder ethnischen Gruppen angewiesen, für welche-wie im Fall der Ruthenen die volkskundliche Erforschung ein integraler
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Bestandteil des Nationsbildungsprozesses war.4
2 Vgl. Franz Grieshofer: Die Bedeutung des Ausstellungswesens für die Entwicklung
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der Ethnographie in Galizien und Wien. In: Ebd., S. 19-41, hier S. 22-39.
Vgl. Veronika Plöckinger: Historisch- ethnographische„ Entdeckungsreise“ zu denBojken und Huzulen in Ostgalizien. In: Ebd., S. 57-76, hier S. 57-62.
Vgl. Reinhard Johler: Vom Leben, Nachleben und Weiterleben des, Kronprin-zenwerks' in Österreich. In: Jurij Fikfak, Reinhard Johler( Hg.): Ethnografie inSerie. Zu Produktion und Rezeption der„ österreichisch- ungarischen Monarchie in