Jahrgang 
121 (2018) / N.S. 72
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXII/ 121, 2018, Heft 1

sche Arbeit an einem Handbuch auch nur von ungefähr kennt, muss klarsein, dass es die ideal ausgewogene und aufeinander abgestimmte, allesgleichermaßen berücksichtigende Zusammenstellung nicht geben kann.

Dafür können zahlreiche hervorragende Einzelbeiträge hervorge-hoben werden: etwa der Forschungsüberblick von Philip Hahn zu The-men und Trends der deutschsprachigen historischen Hausforschungnach 1945. Hier findet sich neben einer vorzüglichen Zusammenfassungder wichtigsten Forschungslinien eine konzise Auseinandersetzung mitOtto Brunners Konzept des ganzen Hauses"( S. 47-51), aber auch dieDiagnose, dass HistorikerInnen bislang nur wenig Interesse an derGeschichte des Hauses als Gebäude" gezeigt hätten( S. 55). Tara Hamlinguntersucht Gestaltungsprinzipien des, frommen Hauses" im protestanti-schen Europa und liefert unter anderem präzise Beobachtungen zur Rolleder häuslichen materiellen Kultur für die Frömmigkeitspraxis- bis hinzur Positionierung von Möbelstücken im Raum( S. 209-212). Überausanregend ist Daniel Jüttes Beitrag zum Fenster als Ort sozialer Interak-tion. Jütte entwickelt anhand dieser eher banal anmutenden Gebäude-öffnung ein alltagsgeschichtliches Panorama von großer Anschaulichkeitund betont die Rolle des Fensters für die Produktion von Öffentlichkeitin der, Anwesenheitsgesellschaft der Frühen Neuzeit( S. 471). SuraiyaFaroqhi arbeitet in klarer Diktion und Argumentation heraus, wie Hausund Herrschaft im Osmanischen Reich ineinandergriffen- ihre Beispielereichen vom Sultanspalast bis zu den Häusern der Oberschicht in Istanbulund in der anatolischen Provinz im frühen 19. Jahrhundert. Einen knap-pen, plausiblen Artikel widmet Daniel Menning einem anders gelagertenZusammenhang von Haus und Herrschaft, nämlich dem Konzept desHauses als Lebensform des europäischen Adels. Instruktiv und originellzugleich ist auch der Beitrag des Wiener Historikers Anton Tantner zurGeschichte der Hausnummerierung, in dem er zeigt, wie Adressierungs-techniken"( S. 621) und obrigkeitlicher Zugriff zusammenhängen. Da dieAufsätze dieses Handbuchs ein durchgehend hohes Niveau aufweisenallein das ist schon ein Kunststück, das auf eine mühevolle und strengeEditionsarbeit verweist, könnte die Reihe ausgesprochen lobenswerterBeiträge fast beliebig verlängert werden.

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Ein Handbuch zum Haus in der Geschichte Europas müsste eigentlichnotwendigerweise das Ergebnis einer interdisziplinären Zusammenarbeitsein. Nicht nur die Geschichtswissenschaften, sondern auch Kulturanth-ropologie und Volkskunde haben sich mit dem Haus intensiv auseinan-dergesetzt, auch Soziologie und Rechtswissenschaft haben dazu einiges