Kunst oder Ethnographie?
CS: Wo wir Freiheit haben, ist das thematische Programm, auch beiSonderausstellungen. Ich muss mein Projekt natürlich präsentieren undargumentieren, warum ich das spannend finde. Bis jetzt ist es aber nie vor-gekommen, dass gesagt wurde: Das passt nicht rein oder das ist uninter-essant. Also, da haben wir wirklich Freiheit. Aber wir haben kein eigenesBudget. Und es wird sicherlich mehr investiert in eine Breughel- Ausstel-lung als in eine Kopftuch- Ausstellung oder rezente Kunst von irgendwooder afrikanische Medizin. Sicherlich auch aus kaufmännischen Überle-gungen. Diese Hierarchie gibt es einfach, die sich auch budgetär auswirkt.
BSL: Sie sprechen damit die evidente Ökonomisierung und Kultura-lisierung an. Wie weit wirkt sich das auch auf Entscheidungen aus,bestimmte Objekte auszustellen oder andere nicht? Sie haben ja hierim Haus durchaus strittige Objekte, die in letzter Zeit in den Medienstark in der Kritik standen sei das nun der Federschmuck, seiendas die Benin- Zwerge oder die sogenannte Kopftrophäe. Was warendie Beweggründe bei all der Widersprüchlichkeit und Problematik,sie zu zeigen? Weil es Magnete sind? Sind es ökonomische Gründe,Publikumserwartungen, Eventisierungsnotwendigkeiten?
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CS: Das hat vordergründig nicht mitgespielt. Aber den Federkopfschmucknicht zu zeigen, wäre den mexikanischen Besucher* innen gegenüber nichtgegangen. Eine Möglichkeit wäre gewesen, mit allen Besucher* innen ausMexiko ins Depot zu gehen. Das schaffen wir aber personell nicht. Unddieses Objekt im Keller zu belassen, wäre nicht gegangen, allein schonaus der Beziehung zu den Mexikaner* innen. Nachdem dieses Ding docheine gewisse Ikone des Hauses ist, wird erwartet, dass man es auch wiedersehen kann, nachdem man es jetzt ewig nicht gesehen hat. Die Benin-Zwerge im Keller zu lassen, könnte etwa so interpretiert werden: Siewerden versteckt, weil es ganz eindeutig koloniales Raubgut ist. Würdeich die nicht zeigen, würde es heißen: Jetzt trauen sie es sich nicht mehr,die zu zeigen, um diesen Vorwürfen zu entgehen. Es sind berechtigteVorwürfe und die werden in der Ausstellung thematisiert. Drum ist einerder ganz wenigen roten Fäden, die sich durch viele Schausammlungs-säle durchziehen, die Erwerbsgeschichte. Einerseits ist man gefordertzu sagen, wie die Objekte nach Wien gekommen sind. Und ein Beispielsind die Benin- Zwerge. In diesem Raum, in dem sie jetzt stehen, geht esbesonders um die Erwerbsgeschichte. Und um die zu erzählen, brauchenwir natürlich auch die Objekte dazu und das sind in diesem Fall die beiden
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