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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXII/ 121, 2018, Heft 1
BSL: Das klingt so, dass es eine Aufteilung der Aufgaben gibt. DasWeltmuseum hat die Aufgabe, die„ Anderen“ zu repräsentieren undzu zeigen. Und es gibt andere Orte wie das KHM, die die„ eigene"Kultur repräsentieren.
CS: Die„ Anderen“ reinzuholen und gleichzeitig aber damit diese Tren-nung„ Wir“ und die„ Anderen" aufzubrechen, ist unser Ziel. Letztendlichklingt das wie ein Widerspruch, aber genau den müssen wir lösen.
Und noch eine Bemerkung zum Begriff die Anderen. Als Singulargibt es die Anderen nicht, es sind viele Andere, viele Individuen. Dataucht die Problematik der Deutungshoheit auf. Der Versuch, einen ausder Gruppe der Anderen für eine ganze Gesellschaft sprechen zu lassen,kann leicht schiefgehen. Man sieht das im Raum Dorf in den Bergen. Ineinem Video erklären eine taffe Geschäftsfrau, ein gelehrter buddhisti-scher Kleriker und ein Bauer, warum sie in einen Tempel gehen und wassie dort tun. Alle drei kommen aus Bhutan, jeder erzählt eine gänzlichandere Geschichte. Keiner kann für die Bhutaner sprechen.
BSL: Zu welchen anderen Museen gibt es denn ein Näheverhältnisinhaltlicher Art?
CS: Ein Näheverhältnis gibt es auf jeden Fall zum Volkskundemuseum.Wir haben zwei Jahre lang inhaltlich intensiv an einer Fusion gearbei-tet. Von Anfang an war ganz klar, dass wir eigentlich zusammengehören,da diese Trennung Volks- und Völkerkunde eine ziemlich unglücklichein der österreichischen Museums- und Wissenschaftsgeschichte ist. Dasist eigentlich absurd. Die Fusion ist letztendlich an ganz anderen Dingengescheitert, auch wenn es inhaltlich ganz klar ist. Also das Näheverhältniszum Volkskundemuseum haben wir, wir treffen uns auch regelmäßig unddiskutieren in oftmals sehr lockerer Art und Weise gemeinsame Projekte.Also mit Matthias Beitl können wir sehr gut. Das Jüdische Museum istnatürlich ein potentieller Partner und natürlich auch das WienMuseum.
BSL: Ist die Rolle auch mit Blick auf die budgetäre Zuordnung eherjene der kleinen Schwester, die deutlich weniger bekommt oder Ein-schränkungen hat, was Sammlungsmöglichkeiten angeht? Gibt eseine Autonomie, was die Sammlungsgestaltung oder Ausstellungenangeht? Auch da kann ja theoretisch das KHM bei jeder Entschei-dung der Direktion Einfluss nehmen.