Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde121 (2018) / N.S. 72Schicklgruber, Christian; Schmidt-Lauber, brigitta: Kunst oder Ethnographie?

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Kunst oder Ethnographie? : ethnographische Sammlung und Repräsentation im Weltmuseum [Gespräch]
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Kunst oder Ethnographie?

BSL: Sie haben die Fusion mit dem KHM sehr positiv dargestellt.Was sind denn die Schattenseiten?

CS: Ich rede ganz offen darüber( lacht). Die Fusion war nicht unsere Idee.Das ist uns einfach passiert und wir waren damals in einer Position, in derwir uns nicht wirklich wehren konnten. Es war letztendlich eine Entschei-dung der damaligen Ministerin. Ich bin ja jetzt neu Direktor des Hausesund es kommen ab und zu Journalist* innen, die schauen wollen, wer istjetzt dieser Herr? Und eine Frage, die immer wieder kommt, ist: Wieschaut es aus mit Unabhängigkeit und wie ist das Verhältnis zum KHM?Ich sageimmer: Ich bin jetzt einmal für drei Jahre da und in diesen dreiJahren fällt mir hoffentlich etwas Spannenderes ein, als für die Unabhän-gigkeit zu kämpfen. Ich glaube, momentan gibt es Wichtigeres zu tun, umdieses Museum wirklich als spannendes Museum zu etablieren.

Die neue Schausammlung steht. Dieses Museum mit einem Bild inder Öffentlichkeit zu verankern, wird einerseits über kleinere und grö-Bere Sonderausstellungen gehen. Zudem wollen wir das Museum auch alsVeranstaltungsort in Wien etablieren, wo man regelmäßig Events gebo-ten bekommt, die man in Wien sonst nicht bekommt. Wir haben zumBeispiel schon mit einer ethnographischen Filmreihe begonnen. JedenSonntag um 11 Uhr gibt es einen Film; aber nicht einen Film, wie manihn auf Servus TV oder Universum sieht. Denen Konkurrenz zu machen,hat nicht viel Sinn. Sondern eher Filme, die man sonst nur auf Festivalssieht. Und ab Mai werden wir in Kooperation mit dem VIDC, dem Wie-ner Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit, regelmäßigMusik- und Tanzaufführungen bieten.

BSL: Das geht ein bisschen in die Richtung meiner ersten Frage: Wasmuss ein Museum, das in der Gegenwart eröffnet, eigentlich leisten?

CS: Ein Museum muss ein Treffpunkt sein. Und der Treffpunkt bei unsim Weltmuseum ist ganz klar definiert: Treffpunkt- jetzt sage ich esschon wieder, obwohl ich es nicht mag Wir und die Anderen". Wirwerden wahrscheinlich keine Kammermusikaufführungen aus der west-lichen Tradition haben, sondern schauen halt, dass wir Formen des soge-nannten immateriellen kulturellen Erbes aus anderen Kulturen, die auchin Wien leben, zu uns rein bringen.

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