Kunst oder Ethnographie?
eine eindrückliche Ästhetik im Sinne Thomas Manns:„ Der einzige Weg,dass das Göttliche dem Auge zugänglich wird, ist Schönheit.“ Und dieObjekte sind schön. Aber sind sie allein deshalb Kunstwerke?
Wir sind kein Kunstmuseum; wir sind kein Museum außereuropä-ischer Kunst, haben aber außereuropäische Kunstwerke und stehen vorder Frage: Ist es ein Kunstwerk in unserem Sinne oder nicht? Das istspannend, und wir haben keine pauschale Lösung.
BSL: Hinzu kommt, dass Sie die Lösung ja nicht für das Weltmuseumalleine suchen können und dürfen, sondern dass dieses Haus mittler-weile an einem bestimmten Ort untergebracht ist und in einerbestimmten Konstellation, nämlich unter dem Dach des Kunsthis-torischen Museums( KHM). Gerade in Wien manifestiert sich einspezifischer Kunst- und Kulturbegriff, der auf bestimmte ästhetischeSignale ausgerichtet ist. Bildende Kunst und klassische Musik habendiesbezüglich eine dominante repräsentative Funktion. Indem dasWeltmuseum in das Großkonsortium KHM eingebunden wurde,wird die Spannung, von der Sie gesprochen haben, nochmalsunterstrichen: Ist es ein Kunstwerk oder ist es ein ethnographischesObjekt?
CS: Das ist eine lustige Geschichte. Wir kommen ursprünglich ausdem Naturhistorischen Museum, die ethnographische Sammlung warzunächst im Naturhistorischen Museum untergebracht. Dann waren wirein paar Jahrzehnte eigenständig. Und dann haben wir von der Natur zurKultur gewechselt. Jetzt sind wir unter einem Dach und in intensivenGesprächen zum Beispiel mit dem Leiter der Gemäldegalerie, um dieseTrennung aufzubrechen. Und irgendwann einmal werden Objekte vonuns in der Gemäldegalerie stehen. Natürlich nicht willkürlich, sondernwo es thematisch passt, dass wir unsere Objekte im Kontrast, im Dialog,im Gegensatz was auch immer es werden wird-, dass man diese bei-den Arten von Kunst Seite an Seite stehen hat und noch dazu in einemKunsttempel, wie es das Kunsthistorische Museum ist. Dann glaube ich,wird es absolut spannend.
Die Objekte bewegen sich auch in die andere Richtung. Wir werdenab Herbst eine Ausstellung zum Kopftuch zeigen, politisch ein ziemlichaufgeladener Begriff mittlerweile. Dabei geht es aber auch um das Kopf-tuch in unserer Tradition. Und wenn ich durch die Gemäldegalerie gehe,hat da jede zweite Dame an der Wand ein Kopftuch auf. Das ist jetzt
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