Kunst oder Ethnographie?
Situation Österreichs für Ihr Haus? Gibt es eine politische Botschaft,die dieses Haus transportieren sollte oder will?
CS: Ich brauche nur gewisse Zeitungen aufzuschlagen bzw. ich brauchenur die Schlagzeilen zu lesen. Da sind wir natürlich gefordert, ein Gegen-bild zu zeigen. Gegen gewisse Zeitungen werden wir nie ankommen undin Österreich schon gar nicht. Aber zumindest haben wir eine ethischeVerpflichtung, ein anderes Bild aufzuzeigen. Wir werden die politischeSituation in Österreich wahrscheinlich nicht beeinflussen können. Aberals grundsätzliche Aufgabe eines letztendlich nach wie vor völkerkundli-chen Museums- weil jedes Museum ist definiert durch seine Sammlungund letztlich ist es eine ethnologische Sammlung- hieße es aufzuzei-gen, dass es ohne gegenseitigen Austausch nicht gehen kann. Es gehtauch darum, Angst vor dem Fremden zu nehmen. Angst habe ich vorjemandem, den ich nicht kenne, oder wenn von irgendeiner Seite Bil-der produziert werden, vor denen ich mich fürchten muss. Und da sindwir vehement gefordert, dieses Bild zumindest zu beeinflussen, wenn dasgeht, und auch ein anderes Bild der„ Anderen", der„ Fremden" zu zeich-nen, so dass man sieht: So fremd und anders sind sie eigentlich nicht.
BSL: Nun befindet sich das Weltmuseum in der BundeshauptstadtWien, wo es eine große Vielfalt an Museen gibt. Welche Positionnimmt das Weltmuseum innerhalb dieses„ Konzerts" an Museen undin der Museumslandschaft ein?
CS: Wir sind bis auf ein paar kleinere Ausnahmen in Österreich- daseinzige große Haus, in dem die Welt zuhause ist. In Zukunft werdenwir auch Ausstellungen zu rezenter Kunst weltweit bieten, uns aberauch hier immer von Kunsthallen und modernen Kunstmuseen unter-scheiden, weil ein Weltmuseum der Ort ist, an dem ich auch die Hinter-gründe von Erscheinungen in der rezenten Kunst anderswo zeigen underklären kann. Also, ich hänge nicht nur das moderne Kunstwerk aufund gehe von einer universellen Wirkung der Ästhetik aus. Das natür-lich auch. Aber die rezente Kunst woanders ist auch nicht vom Himmelgefallen oder aus dem Internet kopiert oder aus dem Ausstellungskata-log von Picasso. Sondern auch mit modernen, oftmals westlichen stilis-tischen Mitteln werden sehr wohl Themen der traditionellen Kultur derKünstler dargestellt, aufgearbeitet in Konfrontation mit der Tradition,in der Umwandlung mit der Tradition. Und da passiert es gerade in der
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