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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXII/ 121, 2018, Heft 1
gewisse Inkonsistenz, haben jedoch, für sich genommen, durchaus ihreneigenen Sinn. So wäre die Verwechslungsszene mit der Hofdame eineMetapher für seine simplizianische Unschuld und der Kniefall gleich-sam der erzähltopische Ausweis dafür, dass er doch nicht der ungehobelteBauerntölpel war, für den ihn die höfische Welt hielt ein Klarstellungs-bedürfnis, das er sicher nicht mit 13 Jahren schon hatte, sondern erst imjahrzehntelangen Kontakt mit der höfischen Sphäre entwickelte.
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Das wichtigste Indiz für die Authentizität seiner Maria- Theresia-Geschichte sind zweifellos die Empfehlungsschreiben zweier einflussrei-cher Tiroler Adeliger, nämlich des damaligen Innsbrucker, Gubernators'70Graf von Enzenberg71 und des jungen Grafen von Künigl72 sowie desPrälats von Wilten, die er bei seinem Besuch mit sich führte. An diesestattlichen Rekommandationen war er durch die Vermittlung der adeligenHaller Stiftsdamen gelangt, bei denen er sich drei Monate lang als Minis-trant und Page aufhielt.73 Das Haller Damenstift war 1567 von den Habs-burgern gegründet worden und beherbergte zahlreiche Angehörige undenge Verwandte der kaiserlichen Familie.74 Empfehlungen aus diesemHaus konnten also durchaus Türen öffnen, und am Ende dieser Emp-fehlungskette hatte der Tiroler Graf Philipp Joseph von Künigl( 1696-1770), Oberstküchenmeister von Maria Theresia und Obersthofmeister,d. h. Adelserzieher ihres Sohnes Leopold, also ein altgedienter Insideraus dem Inner Circle der Hofburg, seiner Herrscherin schmunzelndden Bettelbrief unterbreitet. Innsbruck war ja die Ursprungsresidenzder Habsburger, das Tiroler Landvolk stand im Ruf eines besonderenTreueverhältnisses, einer nostalgisch- paternalistischen Anhänglichkeit an, seine Dynastie, wie etwa im Tiroler Aufstand von 1809 unter AndreasHofer noch einmal deutlich wurde. 75 Das nach Westen vorgeschobeneAlpenbollwerk besaß nicht nur seine politischen Sonderrechte, etwa
70 Das Innsbrucker Gubernium wurde erst 1763 als zentralistische Reformmaßnahmeeingerichtet, um Tirol verwaltungstechnisch enger an Wien zu binden.
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Die Enzenberger waren ein altes Tiroler Adelsgeschlecht, das 1763 in den Reichs-grafenstand erhoben wurde und dem neben zahlreichen Besitzungen in Südtirolauch das Schloß Tratzberg( bei Schwaz) gehörte.
72 Ähnliche Ranghöhe galt für die Grafen von Künigl, die u. a. im 17. Jahrhunderteinen Fürstbischof von Brixen, also ein geistliches Landesoberhaupt stellten.
73 Prosch 1964( wie Anm. 9), S. 40f.
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Vocelka, Heller 1998( wie Anm. 63), S. 278.
75 Vgl. Meinrad Pizzinini, Tirol in den Franzosenkriegen 1796-1814.
In: Egg 1984( wie Anm. 4), S. 191-217, hier S. 203.