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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXII/ 121, 2018, Heft 1
Siebenjährige Krieg( 1756-63) etwa, der damals zwischen Preußen undÖsterreich tobte, kommt in seinen Erzählungen nicht vor- damit konnteman ja niemanden erheitern, dafür umso mehr belustigende Interna ausdem Alltag süddeutscher Duodezhöfe. Diese Geschichten erzählte manin Wanderpredigermanier wieder und wieder, variierte sie, schmückte sieneu aus, und in ihrer endlosen Wiederholung gerieten sie dem Erzäh-ler allmählich zu einer selbstsuggestiven höheren Wahrheit. Wahr warfür ihn nicht das historisch Verbürgte, sondern das, was ihm Erfolg undAnerkennung in der Hofgesellschaft verhieß. Und daran richtete er seineErzählhaltung aus.
Den Auftakt seiner Unterhalterkarriere bildete seine Reise an denWiener Kaiserhof im Herbst 1757. Er wollte seinen Kindertraum ver-wirklichen, durch die Freigiebigkeit Maria Theresias eine selbständigewirtschaftliche Existenz zu begründen. Moser- Rath sagte nicht zuUnrecht, dass die gehätschelte alte Mär von der fürstlichen Spendabilitätund der unverhofften Bescherung der Untertanen wohl am ehesten demmodernen Märchen vom Lottogewinner gleichkäme 54- also mehr alsunwahrscheinlich, statistisch beinahe zu vernachlässigen, aber dennochnicht vollständig auszuschließen. Die allgemeine Tendenz der europäi-schen Höfe ging im 17./18. Jahrhundert dahin, eine Sphäre hochadeligerExklusivität zu schaffen und sich immer stärker gegen das gemeine Pub-likum abzuschotten. Das galt auch für den Wiener Kaiserhof, der mit allseinen Ausfransungen mehrere tausend Personen umfasste. Unter MariaTheresia ergingen wiederholt Weisungen an die Unterbehörden, bittstel-lenden Untertanen das unnütze Anlaufen des Hofes zu untersagen undsie an die zuständigen Behörden zu verweisen. Ein besonderer Dorn imAuge waren einem die informellen Kanäle des höfischen Dienstpersonals;künftig sollte niemand mehr durch diese Hintertürchen unkontrolliert insZentrum der Macht vordringen können.55 Die Kaiserin fand es„, in keinerWeise angemessen, dass jeder Beliebige an eurem Hof erscheinen darf".56Bei Audienzen regelte die Kammerzutrittsordnung den Zugang zum, Allerheiligsten, indem sie den unterschiedlichen privilegierten Gruppenhierarchisch gestaffelte Warteräume zuwies und damit ein Wunschbildder gesellschaftlichen Hierarchie inszenierte. Antichambrieren und Was-
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Moser- Rath 1984( wie Anm. 17), S. 141.
Barbara Stollberg- Rilinger: Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit. EineBiographie. München 2017, S. 340 und 337.
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Ebd., S. 364.