Aufsatz in einer Zeitschrift 
Ein bäuerlicher Münchhausen? : die Memoiren des Zillertaler ,Hoftirolers' Peter Prosch
(1789)
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88 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXII/ 121, 2018, Heft 1

Entwicklung zum Hoftiroler festgehalten. Als Sohn einer armen Klein-häuslerfamilie mit elf Kindern in Taxach bei Ried im vorderen Ziller-tal geboren, verlor der Koppen- Peterl" früh seine Eltern und musstesich als Bettelkind und saisonaler Schafhirte auf den bäuerlichen Almendurchschlagen. Schon im zarten Alter von zehn Jahren schloss er sich denWanderhändlern an, die zu Hunderten mit ihren volksmedizinischenRucksackapotheken ins Reich hinausliefen." Er teilte also als Ölträgerdie Grunderfahrung der Wanderarbeit der ländlichen Talunterschichtund gelangte so ins Bayerische hinaus, wo er seine ersten Kontakte zurhöfischen Sphäre knüpfte. Er sprach rückblickend viel von den nagendenHungergefühlen der frühen Jahre, freilich auch von seinem Kinderprivi-leg, nämlich von den fremden Bäuerinnen, die ihm die eine oder andereSchmalznudel mehr als seinen erwachsenen Gefährten zugesteckt hat-ten, und auch vom Heimweh. Selbst sein notorisch verlachter Kinder-traum, an dem er unverdrossen festhielt, von der Kaiserin Maria Theresiahöchstpersönlich einen Hut voller Geld geschenkt zu bekommen, mitdem er sich ein Haus mit einem einträglichen Pranntweinhüttl bauenkönnte, war unverkennbar zillertalerisch. 12 Das Schnapsbrennen war dortein weitverbreiteter Nebenerwerb.13 Bei mir war Tag und Nacht keinanders Gespräch als Kaiserin, Hut voll Geld, Brandweinhüttl, Haus bauenund so fort." 14 Die Ökonomie der Armut" bzw. genauer die Notbe-helfswirtschaft" 15, die herrenlose Arbeit der Unterschichten, die auf Gele-genheitserwerb und Nischenbeschäftigung setzen musste, war ins Rollengekommen. Sie begann an der Hierarchie der ständischen Gesellschaft zurütteln, indem sie nicht zuletzt hartnäckig an ihrem Wunschtraum von

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Die Produktion volksmedizinischer Heilöle und-salben( Mitridate, Theriak,Melissengeist usw.) setzte im Zillertal gegen Ende des 17. Jahrhunderts ein und hieltin ihrer Kombination von Verlagsindustrie und exportorientiertem Hausierhandelim 18. Jahrhundert einen beträchtlichen Teil der Talbevölkerung wirtschaftlich überWasser. Vgl. Karl Mair: Die Ölträger des Zillertals. In: Tiroler Heimatblätter 11,1933, S. 263-265; Robert Büchner: Tiroler Wanderhändler. Die Welt der Markt-fahrer, Straßenhändler und Hausierer. Innsbruck, Wien 2011.

Prosch 1964( wie Anm. 9), S. 35-41.

13 Die Branntweinbrennerei war ein verbreiteter Nebenerwerbszweig der ZillertalerUnterschichten. Ende des 18. Jahrhunderts ernährten sich ca. 60 Familien von ihr.Exportiert wurden die Überschüsse vor allem in die Steiermark, nach Kärnten

und Oberitalien, d. h. ins Veneto und Trentino. Hübner 1796( wie Anm. 6), S. 736).14 Prosch( wie Anm. 9), S. 41.

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15 Olwen Hufton: The Poor of Eighteenth- Century France 1750-1789. Oxford 1984,bes. S. 69-127.